Spezial

_DSC7081


Altötting – die „Bayerische Staatswallfahrt“ Kunst und Funktion im Kontext von Wallfahrt, Liturgie und Frömmigkeit

Altötting zählt zu den bedeutendsten Marienwallfahrtsorten Europas. Die Anfänge des frommen Ortes gehen zurück in die Zeit der karolingischen Herrscher und die frühmittelalterliche Gnadenkapelle birgt das Kultbild der „Schwarzen Madonna von Altötting“. Nach den Marienwundern von 1489 schwollen die Pilgerströme so an, dass eine neue spätgotische Stifts- und Wallfahrtsbasilika errichtet werden musste. Die bayerischen Herzöge und späteren Kurfürsten bauten unter intensiver Mitwirkung der Jesuiten (Barockkirche St. Magdalena) in der Gegenreformation den frommen Bezirk systematisch zum barocken Wallfahrtsort aus, wobei sogar ein „Idealplatz“ mit einem spektakulären und monumentalen Zentralbau geplant wurde. Alle deutschen Kaiser reisten nach Altötting und für Bayern entwickelte sich Altötting zum „Nationalheiligtum“. Den spektakulären Höhepunkt im Areal setzte vor dem Ersten Weltkrieg die monumentale neobarocke Wallfahrtsbasilika St. Anna als größtes deutsches Kirchenbauprojekt des 20. Jahrhunderts. 

Das spannende Leitthema dieses Exkursionstages ist die Frage nach der Dynamik von „Kunst und Funktion“ im Kontext der berühmten Wallfahrt vom Mittelalter bis in die Moderne. Theologische (liturgische) Paradigmenwechsel veränderten kontinuierlich die Sakralkunst vom Mittelalter über die Gegenreformation, die Aufklärung, die religiösen Konflikte des 19. Jahrhunderts bis hin zur Liturgischen Bewegung, die im Zweiten Vatikanischen Konzil Anfang der 60er-Jahre ihren Höhepunkt fand. Neue Anforderungen ließen Altes verschwinden oder es wurde überformt und neu interpretiert. Die Beschreibung und Analyse dieses Wandels anhand der bedeutenden Monumente Altöttings führt zum tieferen Verständnis des Verhältnisses von Kirche und Kunst über die Jahrhunderte.



Biotop Auwald in Nonnreit bei Tittmoning

Ziel der Exkursion sind die unterschiedlichen Waldtypen am „Salzachdurchbruch“ bei Tittmoning-Nonnreit. Hier durchbrachen einst die Wassermassen des vom abschmelzenden Salzachgletscher gespeisten Sees den Altmoränenring und bahnten sich ihren Weg in die Inn-Donau-Niederung. Der Buchen-Tannen-Fichten-Hangwald im oberen Bereich geht allmählich in einen Schluchtwald und dieser weiter unten in einen Auwald über. Auf dem Weg hinab zum Fluss im tief eingeschnittenen Tal passieren wir die „wachsenden Steine“ – Kalksinterquellen mit der seltenen, geschützten Pflanzengesellschaft Cratoneuretum. Bei feuchter Witterung kann man mit etwas Glück Feuersalamander beobachten, die hier noch weit verbreitet sind. Auwälder sind geprägt durch periodisch auftretende Hochwasserereignisse und werden aufgrund ihrer Dynamik auch als „europäischer Urwald“ bezeichnet. Wir überqueren in einer Furt den Siechenbach und erreichen die Schwemmsandbereiche mit den ihnen eigenen, angepassten Pflanzen, Pilzen und Tiere. Die Geschichte der Salzachregulierung einschließlich der aktuellen Planungen wird ebenfalls angesprochen. Waldökosysteme bilden aufgrund ihrer Langlebigkeit, Größe und Strukturiertheit ein mannigfaltiges, stabiles Lebensraumangebot. Sie erzeugen etwa 90% der Gesamtbiomasse und liefern fast die Hälfte der Gesamtproduktion der Ökosphäre. In Mitteleuropa ist Wald der bei weitem vorherrschende Vegetationstyp und bedeckte in vor- und frühgeschichtlicher Zeit mehr als 90% der Gesamtfläche (Ellenberg 1982). In Deutschland sind es heute noch 30%. Bei dieser Exkursion ist festes Schuhwerk erforderlich.








Duftstoffe - Gesundheit und Wohlgefühl für Körper und Seele

Düfte begleiten uns von Kindheit an und spielen für unser Leben eine weitaus größere Rolle als wir denken. Wir speichern sie ab und erinnern uns oft noch über Jahrzehnte hinweg, besonders wenn sie mit bestimmten Ereignissen verbunden sind. Wir können an die 10.000 Geruchsqualitäten unterscheiden. Man kennt Tausende von chemischen Verbindungen, die Geruchsempfindungen hervorrufen. Hinzu kommen Duftgemische, welche nicht nur Mischdüfte, sondern auch neue Duftqualitäten ergeben können. Die meisten Düfte sind organische Verbindungen. Unter den anorganischen Substanzen finden sich nur wenige die wir olfaktorisch wahrnehmen, wie beispielsweise Chlor, Brom oder Schwefelwasserstoff. Selbst Duftstoffe, die wie nicht bewusst registrieren, spielen für unser Verhalten eine bedeutende Rolle. So können wir einige der sexuellen Duftstoffe olfaktorisch zwar nicht bewusst wahrnehmen sind jedoch für die Partnerwahl von großer Bedeutung. Schließlich besitzt jeder Mensch einen ganz spezifischen Geruch, einen, der nur ihm eigen ist, so einmalig wie seine Fingerabdrücke. Eine Unzahl verschiedenster Düfte hat Einfluss auf unsere Psyche und darüber hinaus auch auf unsere Gesundheit. Die heilende Wirkung von Blütenessenzen war bereits im alten Ägypten bekannt. Aromatische Düfte können harmonisierend, anregend oder beruhigend wirken, sie können die Stimmung heben und zum körperlichen und seelischen Wohlbefinden beitragen. Sie vermögen aber auch auf sanfte Weise Krankheiten zu lindern oder sogar zu heilen. Der Schwerpunkt des Vortrages liegt auf der praktischen Anwendung, besonders auf der medizinischen Bedeutung bestimmter Duftstoffe, als heilende Essenzen und ihre Wirkung auf Körper und Seele, über deren Vorkommen, Beschaffenheit, Wirkungsweise und Gewinnung sowie über deren Anwendung. Da es sich bei den Aromastoffen um chemische Substanzen handelt wird selbstverständlich auch auf eventuelle Gefahren durch den Gebrauch hingewiesen.






Die mitteleuropäische Küche im Barock

Barocke Tafelfreuden sind heute noch der Innbegriff von Üppigkeit, Genuss und gehobener Lebensart. Die scheinbar grenzenlose Verfügbarkeit von Nahrung, das exzessive Zurschaustellen materieller Überlegenheit und die damit verbundene gesellschaftliche Stellung sind heute noch ein Synonym barocker Lebensart und beinhalten nach wie vor ein gesellschaftspolitisches Statement.        Die Pracht der barocken Tafel verschweigt allerdings, welche Arbeitsabläufe, welche Infrastruktur notwendig war, um diese Ansprüche aufrecht zu erhalten. So beschäftigt sich die Veranstaltung einerseits mit den barocken Tafelfreuden, andererseits wird auf die Arbeitsabläufe verwiesen, welche hinter der glänzenden Fassade notwendig waren. Regionale Eigenheiten z.B. der Wiener Küche werden hier ebenso besprochen wie die bürgerliche Variante eines spätbarocken Kochbuches aus dem Salzkammergut – dem „Kochbuch der Wolfin“ aus dem Besitz des Vortragenden.

Beim zweiten Termin, einer Exkursion in die Residenzgalerie werden anhand einiger ausgewählter Bilder diese Details herausgearbeitet und erläutert. Es geht dabei nicht nur um die Darstellung, vielmehr werden auch die Symbole und ihre zeitbezogenen Hintergründe beleuchtet. Welche Rolle spielt der Knoblauch oder etwa die Auster im Bild? Oder haben sie schon einmal daran gedacht, was Schinken und Wein am Tisch eines spanischen Barockmalers bedeuten? Die synästhetische Komponente barocker Weltanschauungen, das Gesamtkunstwerk des Lebens aus der Sicht des barocken Universalmenschen sollen so nähergebracht werden.


Kulturgeschichte der barocken Kochkunst

3E, Fr. 28.01.2022, 15.00 - 18.00, Salzburger Bildungswerk


Exkursion: Kulturgeschichte der barocken Kochkunst

3E, Fr. 04.02.2022, 14.00 - 17.00, Residenzgalerie Salzburg


Der Besuch von Einzelveranstaltungen ist möglich. Die Einzelveranstaltungen werden nicht extra ausgeschrieben


* Änderungen vorbehalten


© Andreas Deusch 2021