Kunstbegegnung

ZEX Neapel2013 1105

Nur im Wintersemester                                                                                          

Sehen - Vergleichen - Erkennen

Die Darstellung einer Person, das Schaffen eines Abbildes, stellt einen nahezu magischen Akt in der Geschichte der Kunst dar. Der ursprünglich alleine Gott zugeschriebene Schöpfungsprozess und die damit verbundene Macht über das Geschaffene ist ein besonderer Moment, der weit über das Malen eines Bildes hinausgeht. Denn mit der Darstellung eines Menschen erschafft man nicht nur ein Wesen, man schafft auch eine spirituelle Verbindung zwischen der oder dem Dargestellten und dem oder der Schaffenden. Einige Zivilisationen und Kulturen lehnen gerade aus diesem Grund die menschliche Darstellung vehement ab, selbst das Foto wird hier problematisch, ebenso wie die digitale Vervielfältigung. Das Herstellen eines Portrait stellt ursprünglich einen Zauber dar, ein Ritual, mit dem eine Verbindung zu den nicht mehr Anwesenden geschaffen wird. Trennte man in Catal Huyuk den Verstorbenen noch die Köpfe ab, überzog sie mit Ton und Gips um sie in Nischen aufzubewahren,  so ging man später wohl auch angesichts des nicht aufhaltbaren Verwesungsprozesses und der damit verbundenen oleofaktorischen Begleiterscheinungen dazu über, das Abbild in haltbaren Materialien zu formen. Dies garantierte die geistige und auch physische Präsenz, die Anwesenheit der betreffenden Person. Ihr Einfluss, ihre Macht und ihr Ansehen wurden denjenigen teilhaftig, die im Besitz dieser Abbildungen waren. Heute noch legitimieren in manchen Kulturen Ahnenportraits Macht und Reichtum, stehen für historische Kontinuität und kulturelles Charisma.

Die Unversehrtheit eines solchen Portraits garantierte nicht nur Erinnerung im Diesseits, sondern auch ein uneingeschränktes Leben im Jenseits. So bestand eine magische Verbindung über die Welten hinweg. Die Erzählung „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde spiegelt das magische Wechselspiel dieses Zaubers selbst in der Neuzeit wider.

Verschiedene Kulturen und Epochen fanden unterschiedliche Zugänge zu diesem Thema. Der thematische Bogen der Vortragsreihe erstreckt sich von den antiken Kulturen über ägyptische Mumienportraits, der Idealisierung der Griechen hin bis zur Ikone, von barocken Herrscherportraits bis zum verzweifelten Selbstdarstellungsversuch der Künstlerinnen und Künstler des Neuzeit, vom inszenierten Foto des 19. Jahrhunderts bis zum selfie der Gegenwart.


Einleitung und Überblick über das Genre der Portraitmalerei

4E, Sa. 12.01.2019, 09.00 - 13.00, Salzburger Bildungswerk,                                       Prof. Mag. Karl Hartwig Kaltner


Herrscherportraits

4E, Fr. 18.01.2019, 14.00 - 18.00, Salzburger Bildungswerk, Mag. Karlheinz Hetzel


Exkursion: Glyptothek/ Ägyptisches Museum

8E, Sa. 19.01.2019, 08.00 - 19.00, München, Mag. Karlheinz Hetzel


Selbstbildnis: Selbsterkenntnis – Repräsentation – Status

4E, Fr. 25.01.2019, 14.00 - 18.00, Salzburger Bildungswerk, Dr. Stefan Schmitt M.A.


Exkursion: Große Porträtkunst in der Alten Pinakothek (plus Ausstellung „Florenz und seine Maler“)

8E, Sa. 26.01.2019, 08.00 - 19.00, München, Dr. Stefan Schmitt M.A.


Exkursion: Kunsthistorisches Museum - Schwerpunkt Entwicklung der Portraitmalerei

8E, Sa. 09.02.2019, 07.00 - 19.00, Wien, Prof. Mag. Karl Hartwig Kaltner


Bei diesem Seminar ist es nach Anmeldung auch möglich Einzelveranstaltungen zu buchen.             Preise Einzelveranstaltungen: 4E € 25.-/ 8E € 35.- (exclusive Bayernticket - Bahnticket/ öffentlicher Verkehr München + Euro 10.- pro Termin/ Anreise nach Wien in der Gruppe, Ticket Westbahn selbst)


* Änderungen vorbehalten


© Andreas Deusch 2018