Baudenkmäler                                  

Augsburg 2016 7227

Bereits in den frühesten für uns greifbaren Kulturen war es den Menschen ein Bedürfnis, Orte zu kennzeichnen. Orte, an denen eine Verbindung zu unsichtbaren Mächten wahrgenommen wurde, sich sozusagen Spiritualität manifestierte, Kräfte spürbar wurden, wurden zunächst empfunden und in einem weiteren Schritt gekennzeichnet. Mögen diese Orte in der Frühzeit etwa Lichtungen oder auch Höhlen gewesen sein, so wurden mit der Zeit Zeichen der Heiligkeit gesetzt. Orte wurden somit auf Grund der ihnen innewohnenden Kraft und spürbaren Spiritualität gekennzeichnet und von der Alltäglichkeit abgegrenzt. Heilige Bezirke entstanden, der Ursprung des antiken Temenos, eines heiligen Bezirkes, der nur unter bestimmten Bedingungen und Regeln betreten werden darf. Das Kirchenasyl verweist heute noch auf solch archetypischen Rituale. 

In den Wäldern Mittel- und Nordeuropa waren es heilige Bäume, Landschaften und Orte, welche die Verbindung zu Naturgeistern oder Gottheiten darstellte, ein Phänomen, welches man heute noch in vielen Naturreligionen kennt und das der Ursprung des abendländischen Christbaumes ist. Altäre entstanden an diesen Orten, Tote wurden hier beigesetzt, Schamaninnen und Schamanen, Priesterinnen und Priester kontrollierten hier den Zugang zu einer allesbestimmenden aber nicht sichtbaren und daher umso mächtigeren Gottheit. Ekstase und Rausch, Hingabe und Exzess konnten hier rituell gelebt werden, gesellschaftliche Normen im Sinnestaumel der Religion überschritten werden! Durch Teilnahme am Ritual wird man auch der Erleuchtung, des Segens der Gottheit, der Gnade sozusagen teilhaftig. Partizipation am Ritual als Identifikation einer Gruppe.

Wenn auch verschiedene Religionen unterschiedliche Zugangsrituale vorschreiben, so haben sie doch meist einen gemeinsamen Nenner. Die Verortung der Wahrnehmung, des Rituals. Dies entstand traditioneller Weise durch architektonische Gestaltung. Vom Zelt zum Tempel des Salomon, von den Tempeln der Griechen zu den Heiligtümern des Mitras, von Kirche und Moschee und Kaaba zum Einkaufcenter und Sportstadion.

Die Verortung von Gotteserfahrung, die Kontrolle über Ort und somit über die Gottesnähe führten zu einer speziellen Architektursprache, welche religionsunabhängig gewisse Gemeinsamkeiten aufweist. Die architektonische Form wird zum Ausdrucksträger und fungiert als Identitätsvermittler. Die hierbei verwendeten Materialien sind somit auch mit spirituellen Inhalten besetzt.

Die Veranstaltungsreihe beleuchtet Geschichte und Funktion, Ästhetik und Inszenierung von sakralen Räumen und führt von den Vorläufern der uns bekannten Sakralbauten über antike Kulturen, gotischen Kathedralen und barocken Rauminszenierungen bis in die Gegenwart.


Einleitung und Überblick zur Manifestation von spirituellen Strömungen           in der Architektur

4E, Sa. 15.09.2018, 09.00 - 13.00,Salzburger Bildungswerk,                                       Prof. Mag. Karl Hartwig Kaltner


Der Antike Tempel

4E, Sa. 22.09.2018, 09.00 - 13.00, Salzburger Bildungswerk, Mag. Karlheinz Hetzel


Gotische Kathedralen: Himmlisches Jerusalem

4E, Fr. 28.09.2018, 14.00 - 18.00, Salzburger Bildungswerk, Mag. Karlheinz Hetzel


Zentralbau und Kuppel – Symbole Gottes, des Kosmos und der              „harmonia mundi“

4E, Fr. 05.10.2018, 14.00 - 18.00, Salzburger Bildungswerk, Dr. Stefan Schmitt M.A.


Posttridentinische Sakralarchitektur „ad maiorem dei gloriam“: Barocke Wandpfeilerkirche und barocker Zentralraum

4E, Fr. 19.10.2018, 14.00 - 18.00, Salzburger Bildungswerk, Dr. Stefan Schmitt M.A.


Exkursion Salzburg/ Barocke Schlüsselbauten: Salzburger Dom und Kollegienkirche

4E, Sa. 27.10.2018, 09.00 - 13.00, Stadt Salzburg, Dr. Stefan Schmitt M.A.


Liturgische Reformbestrebungen und ihre Umsetzung in der Architektur

4E, Fr. 16.11.2018, 14.00 - 18.00, Salzburger Bildungswerk,                                       Prof. Mag. Karl Hartwig Kaltner


Exkursion: Sakralbauten im Spiegel der Liturgischen Bewegung in München

8E, Sa. 17.11.2018, 08.00 - 19.00, München, Prof. Mag. Karl Hartwig Kaltner


Bei diesem Seminar ist es nach Anmeldung auch möglich Einzelveranstaltungen zu buchen.             Preise Einzelveranstaltungen: 4E € 25.-/ 8E € 35.- (exclusive Bayernticket - Bahnticket/ öffentlicher Verkehr München + Euro 10.-)

Maximale Teilnehmeranzahl bei allen Exkursionen mit drahtloser Personenführungsanlage 30 Personen.


* Änderungen vorbehalten


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© Andreas Deusch 2018