Archäologie

Mähren 09 2017  175

Als Slawen wird die nach Bevölkerungszahl größte Gruppe von Ethnien in Europa bezeichnet, die seit dem 6. Jahrhundert vor allem das östliche Mitteleuropa, Osteuropa und Südosteuropa bewohnen. Slawische Sprachen gehören zur indoeuropäischen Sprachfamilie. Staaten mit slawischen Titularnationen sind: Ostslawische Staaten: Russland, die Ukraine und Weißrussland. Westslawische Staaten: Polen, Tschechien und die Slowakei. Südslawische Staaten: Bulgarien, Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Mazedonien und Montenegro.

Die Westslawen besiedelten gegen Ende des 5. Jahrhunderts den mittleren Donauraum (die heutige Slowakei, Ungarn und das heutige Südmähren) und in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts auch Böhmen. Gleichzeitig begannen die Slawen nach dem Abzug der Langobarden, sich von der Donau aus über Pannonien, Noricum und Karnien bis in den Lungau auszubreiten, und siedelten sich allmählich in den heutigen Gebieten Oberösterreichs nördlich der Donau und Niederösterreich, Steiermark, Kärnten, Krain und Osttirol an. Im 7. Jahrhundert dehnte sich das slawische Siedlungsgebiet bis an Elbe und Saale aus, weiter südlich in die Flussgebiete des oberen Main (bis Ochsenfurt), Regnitz und nördlicher Naab. Vom heutigen Polen war nur der äußerste Nordosten nicht slawisch. Die südlichen Westslawen bildeten um 623, als Reaktion auf die Besetzung Pannoniens durch die Awaren in den 60er-Jahren des 6. Jahrhunderts, das Reich des Samo mit vermutetem Mittelpunkt im südlichen March-Raum.

Im 9. Jahrhundert entstand das Mährerreich als bedeutende Reichsbildung auf dem Gebiet des heutigen Mähren und der Slowakei. Schriftsprache war das kyrillisch geschriebene Altkirchenslawisch. Anfang des 10. Jahrhunderts zerfiel das Reich unter der Invasion der nomadischen Stämme der Ungarn (Magyaren). Nach dem Ende des Mährerreiches traten neue Machtzentren hervor, aus denen sich heutige Staaten entwickelt haben, das Reich der Přemysliden in Böhmen, Grundlage des heutigen Tschechien, und das der Piasten in Polen. Die heutige Slowakei kam Stück für Stück, großenteils bis 1100, unter die Herrschaft der Magyaren und war jahrhundertelang der Norden des Königreichs Ungarn. Seit Mitte des 6. Jahrhunderts drangen westslawische Gruppen in mehreren Einwanderungswellen bis in das Gebiet des heutigen Deutschland vor. Die große Fülle archäologischer Funde gibt umfangreiche Informationen über materielle Kultur und Lebensweise slawischer Bevölkerung in den verschiedenen Siedlungsperioden.


Das nördliche Niederösterreich als Kontaktzone zwischen frühmittelalterlichen Kulturen - Slawen, Awaren, Franken und Ungarn bis hochmittelalterlicher Landesausbau

4E, Sa. 24.11.2018, 09.00 – 13.00, Salzburger Bildungswerk,                                       Mag. Martin Obenaus, Archäologe, Silvia Nortica Archäologische Dienstleistungen OG, Gars am Kamp


Profanum und Sacrum der frühmittelalterlichen Lebenswelt: slawische, awarische und germanische Funde und Befunde zwischen Naab- und Marchtal

4E, Fr. 30.11.2018, 14.00 – 18.00, Salzburger Bildungswerk,                                     Univ.-Prof. Dr. Jiří Macháček - Universität Brünn - Leiter des Fachbereichs Archäologie und Museologie


Adel, Herrschaftssystem und Repräsentation der slawischen Fürsten

4E, Sa. 01.12.2018, 09.00 – 13.00, Salzburger Bildungswerk,                                   Dr. Lumír Poláček - Leiter des Forschungszentrums Mikulčice                                  


Vom Dnjepr an Elbe und Donau – Archäologie der slawischen Expansion im frühmittelalterlichen Europa

4E, Fr. 14.12.2018, 14.00 – 18.00, Salzburger Bildungswerk,                                       PD Dr. Felix Biermann - Universität Greifswald - Historisches Institut (Ur- und Frühgeschichte)


Bei diesem Seminar ist es nach Anmeldung auch möglich Einzelveranstaltungen zu besuchen.         Preis pro Einzelveranstaltung: 4E € 25.-

* Änderungen vorbehalten

          

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