Abendkurs

Lissabon 03 2017  389

In der altniederländischen Malerei ab 1400 entwickelte sich infolge der neuen Ölmalerei in faszinierender Weise die Fähigkeit zur Imitation der Natur. Der berühmte Jan van Eyck setzte die Maßstäbe und seine Nachfolger wie Dieric Bouts, Roger van der Weyden, Hans Memling und andere führten diese grandiose Kunst weiter. Das Individuum wurde entdeckt und es entstand die neuzeitliche Porträtmalerei sowie in den Hintergründen eine faszinierende Landschaftsmalerei, welche die eigenständige Gattung der Landschaft vorbereitete. Die Pracht der altniederländischen Altarmalerei mit ihrer technischen Brillanz und Virtuosität wurde im Deutschen Reich, in Portugal, Spanien und auch Italien bewundert und prägte viele Künstler. In dieser Vortragsreihe werden die Werke von vier der berühmtesten Maler dieser großen Tradition im geistes- und kulturgeschichtlichen Kontext vorgestellt.


Jan van Eyck - „ars nova“ und Triumph der Ölmalerei

2E, Di. 09.01.2018, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk

Anfang des 15. Jahrhunderts entdeckten die Maler sowohl in der florentinischen Renaissance als auch in den Niederlanden die Natur. In der altniederländischen Malerei entwickelte sich infolge der neuen Ölmalerei in faszinierender Weise die Fähigkeit zur Imitation der Natur. Der große und berühmte Meister, der für Generationen die Malerei prägte, war Jan van Eyck, dessen weltberühmter „Genter Altar“ zu den absoluten Hauptwerken der europäischen Kunstgeschichte zählt. Auch der Mensch als Thema wurde entdeckt und es entstand die neuzeitliche Porträtmalerei. Auch hier stand der berühmte Maler aus Brügge am Beginn und schuf Meisterwerk um Meisterwerk. Der Vortrag wird die Hauptwerke vorstellen und nach den Gründen für das neue Leitbild in der Kunst fragen. 


Roger van der Weyden – der große Realist und Dramatiker

2E, Di. 23.01.2018, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk

Roger van der Weyden (geb. 1399/1400) aus Tournai ist einer der prominentesten und wirkmächtigsten Meister der altniederländischen Malerei. Er wurde von Robert Campin und Jan van Eyck geprägt. Als Stadtmaler in Brüssel machte er „Karriere“ und zählte zu den wohlhabendsten Bürgern der Stadt. 1450 reiste er sogar nach Rom und wurde von den Humanisten als bester nördlicher Maler neben Van Eyck gepriesen. Er entwickelt einen eigenen dramatischen, sehr charakteristischen und bisweilen recht herben Stil. Die Pracht und der Realismus seiner Werke prägten viele andere Meister. 1464 starb der große  Schöpfer berühmter Altäre und großartiger Porträts hochangesehen in Brüssel. 


Hans Memling – berühmte Altäre und große Porträtmalerei

2E, Di. 06.02.2018, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk

Der berühmte Hans Memling war ein aus Seligenstadt gebürtiger deutscher Maler, der in reichen und mächtigen Brügge, der Stadt Jan van Eycks, Karriere machte. Hier starb er auch hochangesehen im Jahre 1494. Er zählt schon zur dritten Generation der großen Künstler, die in der Tradition der altniederländischen Malerei arbeiteten. Er schuf in einem Stil, der sich an Roger van der Weyden orientierte aber dessen Herbheit minderte, große Altäre und Porträts voller Qualität. Memling ist einer der größten Meistern des 15. Jahrhunderts. Sein „Danziger Altar“ oder der Reliquienschrein der Hl. Ursula in Brügge zählen zu den prominentesten Werken der Kunstgeschichte.


Hieronymus Bosch und die Schrecken der Hölle

2E, Di. 20.02.2018, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk

Der niederländische Maler Hieronymus Bosch, eigentlich „Jheronimus van Aken“, wurde um 1450 in s’Hertogenbosch geboren und verstarb 1516. In seiner Heimatstadt war er Mitglied der einflussreichen Liebfrauenbruderschaft und in Flandern als Maler hoch angesehen. In der weltverneinenden Tendenz seiner Werke und um Ausdruck der Angst gehört Bosch zum Mittelalter, in der Selbstständigkeit der Auffassung aber, in der Lösung von ikonographischen Bindungen, ist er durchaus der Neuzeit zugehörig. Alle seine Bilder sind hintergründig, überfüllt mit schwer erklärbaren Nebenszenen. Häufig sind die Gestalten Personifikationen von Lastern oder Ausgeburten der Hölle in monströser Hässlichkeit. Seine Hauptwerke sind weltberühmt: Das „Narrenschiff“ im Pariser Louvre genauso wie die „Versuchungen des Hl. Antonius“ in Lissabon, der „Heuwagen“ in Rotterdam oder der „Garten der Lüste“ im Prado in Madrid. Der Vortrag wird die spannenden Aspekte im Oeuvre des Meisters analysieren und das Werk vor dem Hintergrund des kunsthistorischen Kontextes interpretieren.

Der Besuch von Einzelveranstaltungen ist möglich. Preis je Einzelveranstaltung 2E € 15.-                   Die Einzelveranstaltungen werden nicht extra ausgeschrieben!



Auch im zweiten Teil der Vortragsreihe werden die Werke von vier der berühmtesten Maler dieser großen Tradition im geistes- und kulturgeschichtlichen Kontext vorgestellt. 


Rubens - „Größter Erzähler seit Homer“

2E, Di. 06.03.2018, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk

Der berühmte Schweizer Kunst- und Kulturhistoriker Jacob Burckhardt nannte Rubens (1577-1640) einmal den größten Erzähler der Menschheit seit Homer. Acht Jahre studierte und arbeitete der von Jugend an erfolgreiche Meister in Italien: Er schuf die Synthese aus den antiken und italienischen Vorbildern und seiner niederländischen Tradition und wurde zum Großmeister der Historienmalerei und Allegorien. Im flämischen „neuen Apelles“ hatte die Barockepoche ihren dramatischsten und dynamischsten Malervirtuosen gefunden. Kein noch so großer Auftrag überstieg je das Selbstbewusstsein des hoch gebildeten, allseits geschätzten und polyglotten Antwerpener Künstlerfürsten, der ständig zwischen seinem Atelier und wichtigen diplomatischen Missionen pendelte. Seine tiefe Humanität und Achtung vor der Würde des Menschen werden vielfältig und komplex von seinem gewaltigen Oeuvre bezeugt. 


Rembrandt - Psychologie in Helldunkel

2E, Di. 20.03.2018, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk

Der Meister des malerischen Helldunkels und psychologischer Durchdringung der Protagonisten seines so vielfältigen Oeuvres war schon zu Lebzeiten ein prominenter Künstler. Sein heutiger Ruhm aber ist phänomenal und die weltberühmte „Nachtwache“ im Amsterdamer Rijksmuseum gilt als holländische Nationalikone schlechthin. Rembrandt (1606-1669) wollte nach seinem Bankrott infolge eines allzu aufwendigen Lebensstiles immer weniger dem künstlerischen Repräsentationsbedürfnis seiner Zeit entsprechen und ging eigene Wege. Das Licht in seinen Werken, die tiefe Menschlichkeit seiner Figuren und eine virtuose und einmalige Malweise ließen ihn endgültig zu einem der großen „Genies“ der Weltkunst werden. Er ist zum Inbegriff des um sein Werk und die Wahrheit ringenden einsamen Malers geworden.


Frans Hals – das Malergenie aus Haarlem

2E, Di. 10.04.2018, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk

Der berühmteste Kollege Rembrandts lebte und arbeitete im schönen und reichen Haarlem. Dort lebten viele seiner Kunden: Reiche Kaufleute und Regenten der bürgerlichen Stiftungen, aber auch Schützenkompanien. Sie alle ließen sich vom eigenwilligen und genialen Maler porträtieren. Hals entwickelte einen unverwechselbaren Porträtstil in einer solch malerischen Bravour, dass auch die großen realistischen Meister des 19. Jahrhunderts vor ihm „in die Knie gingen“. Sein Stil ist virtuos und sein Pinselstrich so treffsicher und kühn, dass man nur noch staunen kann. Bei ihm sehen auch die schwierigsten künstlerischen Probleme einfach aus, wobei Kunstkenner wissen, dass dies die größte Kunst ist. Seine Werke sind der Stolz der großen Galerien in der Welt und niemand, der die Malerei liebt, kann sich ihm entziehen.


Jan Vermeer – Licht und Magie der Farbe

2E, Di. 24.04.2018, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk

Der Delfter Maler Jan Vermeer (1632-75) zählt neben Rembrandt und Frans Hals zu den berühmtesten Malern des „Gouden Eeuw“, des „Goldenen Zeitalters“ der holländischen Malerei im 17. Jahrhundert. Sein Oeuvre ist mit nur 37 gesicherten Werken sehr klein, aber die wenigen Werke wirken so kostbar und maltechnisch erlesen, dass Kunstfreunde in der ganzen Welt schon bei der Nennung des Namens ihres Schöpfers ins Schwärmen geraten. Vermeer begann als Historienmaler und dann schuf er seine berühmtesten Werke in der Gattung der Genremalerei – Gemälde von geradezu metaphysischer Stille, deren Farbintensität magisch wirkt. Er malte Atmosphäre und Licht wie nur wenige. Seine Blau- und Gelbtöne wirken auf Ästheten geradezu betörend. Weltberühmt sind seine grandiose Ansicht von Delft“, das bezaubernde „Mädchen mit dem Perlohrengehänge“ oder seine „Straße in Delft“. Es handelt sich um maltechnische Preziosen allerersten Ranges. Seine gesellschaftliche Stellung als Maler thematisierte er in einem der prominentesten Werke der „gemalten Kunsttheorie“. Seine berühmte „Schilderkunst“ aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien zeigt uns Vermeer als Vertreter der höchsten Gattung im Kanon der Kunstgattungen, der Historienmalerei. Über das Leben des großen Meisters der bürgerlichen Barockmalerei Hollands wissen wir aber nur relativ wenig, was auch zur Legendenbildung führte. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs die Wertschätzung Vermeers rapide und die Realisten, Impressionisten und Symbolisten bewunderten ihn. Sein größter Verehrer unter den großen Künstlern des 20. Jahrhunderts war ein anderer großer Maltechniker – der spanische Surrealist Salvador Dali, der die Qualitäten seines Idols geradezu hymnisch pries.

Der Besuch von Einzelveranstaltungen ist möglich. Preis je Einzelveranstaltung 2E € 15.-                   Die Einzelveranstaltungen werden nicht extra ausgeschrieben!

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© Andreas Deusch 2018