Abendkurs                                     

Amsterdam 06 2017  485

Paris war das Zentrum der Weltkunst und hier wirkten hier auch die großen Postimpressionisten. Meister wie Seurat, Signac, Cézanne, Gauguin oder Van Gogh suchten aufbauend auf den Erkenntnissen des Impressionismus neue Wege zur Klassizität oder zum expressiven Ausdruck. Der Subjektivismus eines Van Gogh wies den Weg in den Expressionismus, während Cézanne das Vorbild der Kubisten werden sollte. Der Pointillismus (Divisionismus) von Seurat und Signac eröffnete neue Dimensionen der Farbe und der Symbolismus eines Gauguin sollte nicht weniger in die Zukunft weisen. Diese großen Meister der Avantgarde – die „Patres“ der Klassischen Moderne – zählen heute zu den bedeutendsten Meistern der künstlerischen Moderne.


Cézanne – „Vater“ der Klassischen Moderne

2E, Di. 26.02.2019, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk

Paul Cézanne studierte die Künste in Paris, also der Kunst-Weltmetropole der Belle Époque. Doch in Aix-en-Provence - und somit in der tiefsten Provinz - entstanden seine Hauptwerke, deren Bedeutung für die Geschichte der modernen Kunst gar nicht überschätzt werden können. Inmitten einer seit der Antike wegen ihrer Schönheit gerühmten Landschaft schuf der „peintre philosophe“ Werke von aufregender und nie gesehener Harmonie. Er suchte eine moderne Klassizität und sollte sie finden: Der spezifische und unverwechselbare Blick des großen  künstlerischen Einsiedlers auf die Natur und die klare „Ordnung der Dinge“ begeistert Künstler und Kunstliebhaber bis auf den heutigen Tag. Er zählt seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten Meistern aller Zeiten und seine Werke erzielen auf Auktionen schwindelerregende Preise. Der Vortrag wird den Künstler im Kontext der internationalen Kunst seiner Zeit würdigen und nach den Gründen der ungebrochenen Faszination „Cézanne“ fragen. 


Paul Gauguin und die Sehnsucht nach dem Ursprung

2E, Di. 12.03.2019, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk

Der Symbolist Gauguin gilt als einer der Väter der Klassischen Moderne. Das 19. Jahrhundert ist zutiefst geprägt von der industriellen Revolution, dem Aufschwung der Naturwissenschaften und dem großen Fortschritt der technologischen Entwicklungen. Der Positivismus führte in jene „Welt der Zahlen“ vor der die Romantiker gewarnt hatten. Es entwickelte sich eine weitreichende Zivilisationskritik, die den Verlust des Wunderbaren, Religiösen und Ursprünglichen zum Thema erhob. Die Werke von großen Meistern wie Gauguin imaginieren eine andere Welt. Transzendenz und das Magische werden beschworen.  Wie auch Van Gogh suchte Gauguin aufbauend auf den Erkenntnissen des Impressionismus neue Wege zur Klassizität oder zum expressiven Ausdruck. Seine Werke zeigen eine Welt, in der die Menschen ursprünglich und „gemäß der Natur“ leben. Auf der Suche nach einem solchen Leben verschlug es Gauguin nach Tahiti, wo er eine völlig neue und ihm angemessene Motivwelt entdeckte.


Georges Seurat und der Pointillismus

2E, Di. 26.03.2019, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk

Georges Seurat (1859 – 1891) wurde einer der berühmtesten Maler der frühen Moderne. Er entwickelte den Pariser Impressionismus in unverwechselbarer Weise weiter. Dieser große Künstler beschäftigte sich systematisch mit der Steigerung der farblichen Intensität durch die Zerlegung von Farben in komplementäre Bestandteile. Somit wurde er zusammen mit Paul Signac zum Hauptvertreter des Neoimpressionismus. Sein Stil gab dem impressionistischen Ansatz eine neue Struktur. Mit seiner systematischen Arbeitsweise schuf er weltberühmte Werke zur Pariser Urbanität und zur Alltagswelt der Moderne. Seurat zählt zusammen mit Cézanne, Van Gogh und Gauguin zu den „Patres der Moderne“. Seine Gemälde gehören zu den Hauptwerken der wichtigsten Museen der Welt.


Van Gogh und die Tragik des modernen Künstlers

2E, Di. 09.04.2019, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk

Der Holländer Vincent van Gogh wurde zu Lebzeiten vom Publikum und den Kritikern ausgelacht. Heute zählt er, der stets um seine Existenz ringende Meister, zu den berühmtesten und auch populärsten Künstlern aller Zeiten. Seine Werke werden auf Auktionen zu Schwindel erregenden Preisen versteigert und seine Werke in geradezu inflationärer Weise reproduziert. Er wurde zu einem der „Prototypen“ des modernen autonomen Künstlers, der in seinem Werk um den adäquaten künstlerischen Ausdruck für seine Wahrheit ringt und ein neues Bild der Welt schaffen möchte. Als einer der vier „Patres“ der klassischen Moderne ist er gewissermaßen der „Ahnherr“ der Expressionisten von der klassischen Moderne bis in die Gegenwart. Seine schwierige Persönlichkeit und ihr trauriges Ende förderten die Legendenbildung um ihn. Er verkörpert geradezu modellhaft die grundsätzliche Tragik des modernen Künstlers.


Der Besuch von Einzelveranstaltungen ist möglich. Preis je Einzelveranstaltung 2E € 15.-                   Die Einzelveranstaltungen werden nicht extra ausgeschrieben!


* Änderungen vorbehalten


Die Veranstaltung ist als Fortsetzung der Vorlesungsreihe aus dem Wintersemester gedacht und befasst sich im weitesten Sinne mit dem Begriff der Körperlichkeit. Welche Rolle spielte körperliche Wahrnehmung, die Physis also und die damit verbundene Ästhetik in der Zeit des Mittelalters und der Neuzeit. Wie wurden und werden auch heute noch Botschaften, religiöse Erfahrungen, Macht und Lebenslust durch Darstellung und Körpersprache kommuniziert, welche Symbolik, welche versteckten sexuellen Botschaften werden in den bildlichen Darstellungen transportiert, welche Wertungen werden damit verbunden, welcher Symbolcharakter und welche gesellschaftliche Entwicklung wird hier aufgegriffen und kommuniziert? Wie spiegeln sich Ethik und Moral, religiöse Dogmen und Vorurteile in den Darstellungen wider, welche Botschaft steckt hinter dem Symbol?

Mittelalter, Renaissance, Barock und Rokoko sind die zentralen Themen, der Bogen spannt sich also von den Bildern eines Stephan Lochner über Botticelli bis zu Fragonard und den französischen Libertins, welche von der Moralvorstellung der Französischen Revolution und deren Dogmen überrollt wurden. Die Vorlesung zeigt auch das Frauenbild der entsprechenden Epoche auf und bietet einen Einblick in die Alltagskultur der behandelten Zeiträume.

Als sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts ausgehend von der Französischen Revolution bürgerliche Wert- und Moralvorstellungen etablieren, entsteht durch die Aufklärung eine neue Weltsicht, eine neue Definition von Fortschritt, Korrektheit und Wirklichkeit. Die Naturwissenschaften ersetzen nun die Religionen, Wissenschaft triumphiert über Mystik, das Diktat der Verwertbarkeit, Sinnhaftigkeit und Nützlichkeit setzt sich durch. Die Industrialisierung führt zu einem neuen Bewusstsein von Körperlichkeit, Rollenbilder verändern sich. Dennoch wirken alte, archetypische Symbole inhaltsschwer weiter, der Konflikt einer sich ständig schneller entwickelnden Gesellschaft mit rückwärtsgewandter Weltsicht scheitert an den eigenen Ansprüchen von Toleranz und Demokratisierung.

Diese gesellschaftlichen Entwicklungen spiegeln sich natürlich auch in der bildenden Kunst wider. So spannt sich den Bogen der Veranstaltung von Boullée und seinen Entwürfen für das Monument für Newton über Canova und Hayez bis zu den Sperma Bildern von Martin von Ostrowski, von den Fotografien Mapplethorpes bis zu den Zeichnungen eines Tom of Finnland. Die gesellschaftspolitische Rolle der Kunst wird dabei ebenso besprochen wie die Mechanismen der Verdrängung im Zeitalter politischer und gendergerechter Korrektheit.


Ästhetik, Körperlichkeit und Sexualität vom Mittelalter bis zur Französischen Revolution

2E, Di. 02.04.2019, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk


Ästhetik, Körperkult und Sexualität in der Kunst von der Aufklärung bis in die Gegenwart

2E, Di. 30.04.2019, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk


Der Besuch von Einzelveranstaltungen ist möglich. Preis je Einzelveranstaltung 2E € 15.-                   Die Einzelveranstaltungen werden nicht extra ausgeschrieben!




Der Frühhumanist Petrarca entdeckte die Faszination der Texte Ciceros neu und es begann der Ciceronianismus und mit ihm die stolze Verkündung der „aetas moderna“ (Petrarca), des „modernen Zeitalters“. Alle Humanisten fühlten sich dem römischen Philosophen und Staatsmann Cicero verpflichtet. Philologische Forschungen wurden betrieben. Es galt das Motto „ad fontes“ (zu den Quellen). Um die antike Kultur richtig zu erkennen und bewerten zu können, suchte man die benötigten antiken Originaltexte. Diese wie auch die ganze neulateinische Literatur des Mittelalters wurde methodischer Kritik unterzogen. 

Einhergehend mit diesen Studien rückte auch die antike Philosophie ins Zentrum des Interesses. Aus der Klage über den „Niedergang“ der römischen Kultur im Zeitalter der Völkerwanderung und im „finsteren Mittelalter“ entstand eine neue Kulturtheorie. Das humanistische Geschichtsmodell suchte politische und ethische Vorbilder. Diese spielten wiederum im pädagogischen Konzept der Humanisten eine große Rolle (humanistisches Gymnasium). Die politische Philosophie und Theorie (Macchiavelli) erhielten neue Impulse wie auch die Ethik. 

Der Mensch galt den Humanisten als ein neugieriges erkenntnishungriges Wesen, dessen Individualität nun genauso behauptet wurde wie seine Würde (Pico della Mirandola). Auch wurde er als „Schöpfer“ gefeiert, was für die Kunsttheorie der Renaissance eine zentrale Rolle spielte. Das neue und „moderne“ Menschenbild stellte das überkommene kirchliche in Frage, aber aus ihm resultierten neue anthropologische Ansätze. Auch die Geschichte der Menschheit wurde neu bewertet. 

Das neue und „moderne“ Menschenbild stellte das überkommene kirchliche in Frage. Aus ihm resultierten neue anthropologische Ansätze. Auch die Geschichte der Menschheit wurde neu bewertet. Aus der Klage über den „Niedergang“ der römischen Kultur im Zeitalter der Völkerwanderung und im „finsteren Mittelalter“ entstand eine neue Kulturtheorie. Der Frühhumanismus entstand Anfang des 14. Jahrhunderts in Oberitalien und in der Renaissance wurde Florenz die „Hochburg“ der neuen Gelehrsamkeit. Ab dem Ende des 15. Jahrhunderts verbreitete sich der Humanismus in ganz Europa. Im Zeitalter der Konfessionalisierung erhoben auch die Humanisten warnend ihre Stimme, so Erasmus von Rotterdam, der „König der Humanisten“. Zentrale Prinzipien humanistischen Denkens prägten auch die Aufklärung und die dann einsetzende Moderne.


Renaissance und Humanismus

2E, Di. 08.10.2019, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk


Der Humanismus und seine Bedeutung für unser Menschenbild

2E, Di. 15.10.2019, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk


Der Besuch von Einzelveranstaltungen ist möglich. Preis je Einzelveranstaltung 2E € 15.-                   Die Einzelveranstaltungen werden nicht extra ausgeschrieben!



* Änderungen vorbehalten


© Andreas Deusch 2019