Abendkurs

ZEX Neapel2013 1103

Wie keine andere Epoche hat der Begriff der Antike das Selbstbild der abendländischen Bildungsbürgerin, des abendländischen Bildungsbürgers seit Jahrhunderten geprägt. Griechenland als die Wiege Europas, Athen als Vorbild demokratischer Gesinnung, das Heldentum der Spartaner, die körperliche Ertüchtigung, das alles sind  verinnerlichte Bilder, Stereotypen, welche unseren Umgang mit den frühen Kulturen heute noch prägen. 

Welches Menschenbild wurde hier transportiert, welche selektive Wahrnehmung der Vergangenheit wird hier zum Ideal erhoben? Welche archetypischen Verhaltensmuster und ästhetische Wertigkeiten liegen hier begründet?

Ist uns bewusst, dass der Begriff der Antike eine Wortschöpfung der Neuzeit ist?  Welches Menschenbild vertraten die antiken Griechen? Ist die Idealisierung des griechischen Menschenbildes tatsächlich so erstrebenswert wie Winkelmann und Konsorten uns weismachen wollen? Welche Elemente wurden dabei herausgegriffen, welche ignoriert? Die Geschichte des 20. Jahrhunderts mit seinen Irrungen sollte uns über die Inhalte der immer noch verwendeten Ästhetik der Macht reflektieren lassen.

Themen wie Alltagsästhetik, Sport, Körperkult aber auch Sexualität und Sinnlichkeit in der Antike und ihre Weiterführung in der Jetztzeit sollen in dieser Veranstaltung behandelt und dargestellt werden. Schönheit als Komponente der Macht, man denke dabei an die griechischen Heroen, aber auch der Widerstand gegen dieses Weltbild am Beispiel eines Diogenes oder Empedokles zeigen auf, wie tief unser Denken und Empfinden in der sinnlichen Wahrnehmung, in der Körperlichkeit und Sexualität der alten Griechen verankert ist.

Im ersten Teil der Veranstaltung soll speziell dieser Aspekt der Antike behandelt werden, im zweiten Teil wird die Auswirkung auf unsere Wahrnehmung und die damit verbundene Wertigkeit besprochen. Man vergleich hierzu die filmischen Überblendungen in Leni Riefenstahls Olympiafilm und vergleich dieses Männerbild mit der Werbung eines Fitness Studios. Aber auch die Verwendung antiker Charaktere bei Pasolini oder Fellini kommen hierbei zur Sprache.


Darstellung von Körperlichkeit, Sexualität und Nacktheit als Mittel der Inszenierung von Macht

2E, Di. 02.10.2018, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk


Durch die Antike legitimierte Nacktheit von Winkelmann bis Canova, von Riefenstahl bis Pier Paolo Pasolini und Peter Greenaway

2E, Di. 16.10.2018, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk


Der Besuch von Einzelveranstaltungen ist möglich. Preis je Einzelveranstaltung 2E € 15.-                   Die Einzelveranstaltungen werden nicht extra ausgeschrieben!



Ab den 1840er-Jahren entstand in der Pariser Kunstwelt die sogenannte „Avantgarde“. Junge Künstler rieben sich zunehmend an der normativen Ästhetik der Akademie und wollten „modern“ sein. Ihr großes Vorbild war Eugène Delacroix, der mit seinen romantisch-dynamischen Werken und seiner mitreißenden Malweise der Antipode zum großen französischem Klassizisten und Staatsmaler Ingres war. Ab 1840 entstand der heftig umkämpfte Realismus. „Realismus“ ist der wohl am schwierigsten zu definierende Stilbegriff. Wieweit ist Kunst ein „Spiegel“ der Wirklichkeit? Die Themen des modernen Lebens jedenfalls hielten ab den 1830er-Jahren zunehmend Einzug in die ideale Welt der „hohen“ Kunst. Der Prototyp des modernen autonomen Künstlers war der berühmte Pariser Maler Gustave Courbet. „Il faut encanailler l’art“ („Man muss die Kunst in die Gosse werfen“) ließ er 1849 die schockierte Kunstwelt wissen. Seine Provokation gegen die idealistische Ästhetik von Akademie und Kunstkritik faszinierte junge Maler in ganz Europa. Auf der Weltausstellung 1855 eröffnete der Pariser Provokateur Malerstar auch noch seinen „Pavillon du Réalisme“ und zeigte Gemälde in seiner erdigen tonalen Palette, die bis heute zu den Hauptwerken der frühen Moderne zählen. Der Realismus eroberte von Frankreich über Belgien bald ganz Europa und so auch die damals weltberühmte Münchner Malerschule.

Eine neue Form der realistischen Malerei bedeutete der Impressionismus. Als 1874 die erste Impressionistenausstellung in Paris eröffnet wurde, reagierten die Kunstkritiker mit Spott. Nach den Maßstäben der bürgerlich-idealistischen Kunstwelt konnten Monet, Renoir, Pissarro und ihre Freunde nicht malen und auch ihre Themen würden dem hohen Auftrag der Kunst nicht gerecht. Der verhöhnte Impressionismus zeigte Alltagsthemen in einer nie zuvor gesehenen Lichtmalerei, allerdings verzichteten diese Meister auf politischen Gehalt. Dafür stimmten sie den Hymnus auf die Moderne an: Die Urbanität der Pariser Boulevards, die Wochenendvergnügungen der Städter wie Sport oder Tanzveranstaltungen aber galten der idealistischen Kritik als thematisch zu banal, zeigten sie doch das moderne Leben wie auch der Realismus. Der große Bildhauer des Impressionismus ist Auguste Rodin. Heute garantieren die großen Impressionisten Museumsdirektoren Besucherrekorde. 


Gustave Courbet und der moderne Realismus

2E, Di. 08.01.2019, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk

Gustave Courbet entwickelte sich Mitte des 19. Jahrhunderts zum ersten großen realistischen Maler der Moderne. In Paris, der bedeutendsten Kunstmetropole seiner Zeit, wurde er zum Vorbild für die nachfolgenden Künstlergenerationen, denn er schilderte die soziale Wahrheit und lehnte die Positionen des Idealismus ab. Um seine Person entflammten heftige Kontroversen, in denen bedeutende Literaten und Kritiker aus seinem Freundeskreis für ihn Partei ergriffen. Courbet pochte kompromisslos auf die „Autonomie“ des Künstlertums und lehne staatliche Einmischungen in die Kunst programmatisch ab. Er gilt als Inbegriff des modernen Künstlers schlechthin, der auch noch in den politischen Konflikten seiner Zeit – „Pariser Kommune“ - maßgeblich mitwirkte. Seine erdige und dunkle Palette prägte die Malerei auf beiden Seiten des Rheins gleichermaßen und sie provozierte die offizielle Kunstwelt ebenso wie seine Themen.


Edouard Manet und die neue Malerei

2E, Di. 22.01.2019, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk

Manet gilt als einer der Großen der Kunstgeschichte. In seinen Werken befreite sich die Farbe zunehmend vom Gegenstand und er förderte und ermutigte die Impressionisten, die ihn bewunderten. Im Frühwerk wurde er stark vom Realismus eines Courbet geprägt, doch er ging seinen eigenen Weg. Auf dem berühmten Pariser „Salon des Réfusés“ provozierte er einen der größten Kunstskandale der modernen Kunstgeschichte, denn sowohl seine Themen wie auch seine Malerei erregten heftigen Anstoß. Seitens der bürgerlich-idealistischen Kunstkritik wurde er verdammt, während die „Avantgarde“ ihn zum Heroen der Moderne stilisierte.  Manet zählt zu den prägenden Meistern der Moderne.


Claude Monet und das Licht des Impressionismus

2E, Di. 29.01.2019, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk

Ausstellungen mit Werken Monets ziehen ein Massenpublikum an und auf Auktionen erzielen seine Werke Schwindel erregende Preise im x-fachen Millionenbereich. Im Paris der 1860er-Jahre studierte der hochtalentierte junge Monet die Kunst seiner Zeit und wurde von den bereits berühmten Meistern Courbet und Manet geprägt. Seine realistische Malweise mit ihrem dunklen Kolorit verändert sich um 1870 tiefgreifend hin zu einer beispiellosen und kühnen Lichtmalerei. Sein Freundeskreis gleich gesinnter junger Meister präsentiert den neuen Stil 1874 auf der ersten Impressionisten-ausstellung und wird von den Kritikern der Lächerlichkeit Preis gegeben: Die modernen urbanen Themen und ihre Landschaften wiesen dennoch den Weg in die Zukunft und Monet schaffte mit seinem grandiosen Malstil um 1890 den internationalen Durchbruch zu einem  der „Superstars“ der künstlerischen Moderne.


Auguste Rodin – Begründer der modernen Plastik

2E, Di. 05.02.2019, 18.30 - 20.30, Salzburger Bildungswerk

Rodin (1840-1917) studierte in Paris und war neben zeitgenössischen Meistern auch von der Gotik und Michelangelo beeinflusst. Im Zeitalter des Impressionismus wurde er zum Erneuerer der Plastik und einem der berühmtesten Künstler aller Zeiten. Charakteristisch für seine beeindruckenden Werke ist die unruhig bewegte Oberfläche, die Licht und Schatten virtuos zur Wirkung kommen lässt. Immer auch ist bei ihm die Form Ausdruck seelischer Erregung, häufig gesteigert durch das Belassen im Fragmentarischen. Nicht minder faszinierend wirkten auf seine Künstlerkollegen auch seine genialen und alles in wenigen Strichen zusammenfassenden Zeichnungen. In der Geschichte der Bildhauerei zählt er zu den herausragenden Meistern: Sein Name muss in einem Atemzug mit Donatello, Michelangelo, Bernini und Canova genannt werden.


Der Besuch von Einzelveranstaltungen ist möglich. Preis je Einzelveranstaltung 2E € 15.-                   Die Einzelveranstaltungen werden nicht extra ausgeschrieben!


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© Andreas Deusch 2018