Erdgeschichte                                  

Böhmische Masse 07-2014 761

Die Stadt Salzburg liegt mitten an der tektonischen Überschiebungslinie der Nördlichen Kalkalpen über dem Flysch. Zwei oberostalpine Decken wurden aufeinander geschoben: die Bajuvarische und darüber die Tirolische Decke. Dort, wo das Bündel der „Salzachtalstörung" die Kalkalpen NNW-SSE streichend durchtrennt hat, schuf sich die Salzach ihren Durchlass. Gegen das Becken zu sind entlang dieser Störungen die aus Hauptdolomit und Dachsteinkalk bestehenden Stadtberge, der Kühberg, der Kapuzinerberg und der Festungsberg stufenweise in Richtung Becken abgesunken. Die Gletscher der Eiszeiten schürften das Tal aus und begruben es mit glazialen Sedimenten. Nach dem Abschmelzen der Gletschermassen entstanden gewaltige postglaziale Seen in welche die Flüsse Schottermassen verfrachteten, die man am Mönchsberg sehen kann. Ein aus der Mindel/Riss-Zwischeneiszeit stammender Nagelfluh, ist im Neutortunnel gut zu beobachten. Geologie, Tektonik und die Wirkung von Wasser und Eis formten das Weichbild der Stadt. Über baugeologische Probleme wie z. B. Sanierung der Kuenburgbastei, des ersten Sperrbogens am Aufgang zur Festung, der Sanierung der Festungsbahn, der Steilabfälle des Mönchsbergkonglomerates sowie über die geplanten Bauvorhaben des Museums im Berg, Wasserbehälter und Grundwassersituation der Stadt; der Unterflurbahn durch Salzburg, Garagenbau bei den barmherzigen Brüdern und der Verwendung der lokalen Bausteine für Gebäude der Stadt wird berichtet.



Das Felssturzgelände am Westhang des Elsbethener Fagers ist seit 1936  Naturdenkmal und das nicht ohne Grund. Die trockenen Klammen sind eine besondere Region, es ist das größte Bergschlipfgebiet der Ostalpen. Auf einem Areal von etwa 15.000 m² befinden sich riesige Felsbrocken und bis zu 20 m tiefe Spalten, Blöcke von Oberalmer Kalken (Obere Jura: Malm) sind  auf den mit etwa 30 Grad einfallenden Mergeln (Unterer Jura: Lias) abgeglitten. Nach dem Abschmelzen der eiszeitlichen Gletscher, als das Widerlager verloren ging, kam es entlang von tektonischen Störungen, zu wilden Felszerreißungen. Im oberen Teil des Rutschgebietes öffneten sich klammartige Spalten, talabwärts stürzten die einzelnen Blöcke aufeinander und bieten einen Anblick wie nach einem Erdbeben. Der steile Aufstieg durch Waldgelände beginnt vom Archstein, einem riesigen Block aus Oberalmer Kalk, hinter einem Biobauernhof. Dieser Sturzblock wurde 1975 zum Naturdenkmal erklärt. Im Felsenbereich mit seinen verwirrenden Gängen, Felsblöcken und glatten Wänden ist auch Flora und Fauna einzigartig.








Vor ca. 20.000 Jahren war der Großteil des Salzburger Flachgaus noch von mächtigen Eismassen des eiszeitlichen Wallersee-Zweiggletschers, ein Ausläufer des Salzachvorlandgletschers, bedeckt. Nur die Gipfel der Flyschberge ragten als Nunutaker aus dem Eispanzer heraus bis vor 11.000 Jahren, mit dem Abschmelzen der Eismassen, die Moränenlandschaft mit dem Wallersee entstand. Im Hochglazial, vor 20.000 Jahren, waren weltweit rund 55 Millionen km2, das sind etwa 30% des Festlandes der Erde, vergletschert.

Die Halbtagsexkursion führt uns am Fuss der Henndorfer Hausberge entlang wo wir die unterschiedlichsten Zeugen der Würm-Eiszeit kennen lernen. Oberhalb von Weidl kann man an den mächtigen Endmoränenrücken den ursprünglichen Eisrand des Wallerseegletschers erkennen, während unterhalb der Ortschaft die Grundmoränenlandschaft von Drumlins geprägt ist. Die kleine gotische Kirche von St. Brigida bei Ölling steht auf einen inneren Moränenwall des Wallerseegletschers. Auch das Baumaterial der Kirche stammt aus einer eiszeitlichen Moräne. Auf unserer Exkursion lernen wir die Vielfalt des glazialen Formenschatzes kennen wie Rundhöcker, Drumlins, Ooser, Toteislöcher, Grund- und Endmöränen.

Die Route beträgt etwa 7 km und verläuft durchgehend auf befahrbarem Wegen, gutes Schuhwerk wird dennoch empfohlen.




Als am Ende der letzten Eiszeit vor ca. 20.000 Jahren die Gletscher ständig an Masse verloren, überprägte das Schmelzwasser die eben erst abgelagerten Moränenablagerungen. Es entstanden zentrifugale Kerben, durch die das Wasser vom Gletscher weg ins Vorland floss. Später dann Flusstäler, die innerhalb der Moränenkränze am Außenrand der immer weiter schrumpfenden Gletscher flossen. Und schließlich die totale Umkehr der Abflussrichtung am Ende der Vereisung. Der südöstliche Chiemsee-Gletscher ist ein Paradebeispiel für diese Enteisungsgeschichte und zeigt die genannten Arten von Entwässerungsrinnen und die damit zusammenhängenden Ablagerungen auf überschaubarem Raum.

Exkursion mit Privat-PKW’s in Fahrgemeinschaften mit vielen Haltepunkten und einigen kurzen Fussmärschen ab Siegsdorf. Die Einkehr mittags ist vorgesehen.









In den Nördlichen Kalkalpen ist der Dachsteinkalk eines der markantesten Gesteine. Mit über 1.000 m Mächtigkeit tritt er als bedeutender Wandbildner in Erscheinung, zudem ist er das beherrschende Gestein der Hochflächen zahlreicher Gebirgsstöcke. Aufgrund seiner lithologischen Eigenschaften verkarstet der Dachsteinkalkes an seiner Oberfläche, im Inneren findet Höhlenbildung statt. Diese ist wiederum mit der paläogenen und neogenen Landschaftsentwicklung der Nördlichen Kalkalpen verknüpft. An den Flanken einzelner Gebirgsstöcke verbunden mit tektonischen Anlagen und Formen der Talentwicklung haben sich Wasserläufe in den Fels eingeschnitten und bilden zahlreiche Klammen, bei denen die erosive Kraft des Wassers augenscheinlich ist. Bei dieser Exkursion in das Pinzgauer Saalachtal wird zunächst die Innersbachklamm in der Nähe von Reith besucht, die nach einem kurzen Spaziergang auf einer gut ausgebauten Wegeanlage begangen wird. Danach geht es mit dem Auto weiter entlang der Saalach, bei St. Martin liegen unweit der Straße eindrucksvolle Dachsteinkalk-Sturzblöcke, die zahlreiche typische Fossilien aufweisen. Nach einer kurzen Fahrt wird am Nachmittag die Lamprechtsofen-Höhle besucht. Die Höhle ist auf rund 700 m Länge für Besucher erschlossen, gute 70 Höhenmeter sind mit über 300 Stufen zu überwinden. Für diese Exkursion besteht die Möglichkeit, den öffentlich zugänglichen Teil zu verlasssen und ein kurzes Stück den ansonsten den Höhlenforschern vorbehaltenen Teil zu befahren. Da in der Höhle Temperaturen von um die 5 bis 7 °C herrschen ist entsprechende Kleidung unerlässlich, ebenso Kopfbedeckung und Licht! Im Gasthaus Lamprechtshöhle ist vor dem Besuch der Höhle die Möglichkeit zur Einkehr gegeben. Für den Besuch der Höhle wird der übliche Eintrittspreis (2017: Gruppe 6 € p. P.) erhoben.


* Änderungen vorbehalten


www.museum-siegsdorf.de



© Andreas Deusch 2018