Obersteiermark und Eisenwurzen

Mariazell


Ein Rohstoff macht Kultur

Ziel der Studienreise ist es, die kulturprägende Wirkung vom Bergbau in der Grenzregion Niederösterreich-Oberösterreich und der Obersteiermark kennen zu lernen. Kirchen, Klöster, Burgen, Städte und historische Montanbetriebe werden unter dem Motto „Eisen, Silber, Blei und mehr“ betrachtet.


PROGRAMM:*

1. Tag, Freitag, 15. Oktober 2021

Anreise mit Pausen über St. Pölten und das Traisental zum Zisterzienserstift Lilienfeld: Abfahrt - Einstiegsstellen: 06.30 Hallein Pernerinsel - Parkplatz beim Kreisverkehr/ 06.45 P + R Salzburg Süd/ 07.00 Stadion Klessheim/ weitere Einstiegsstellen auf der Strecke z.B. Raststation Mondsee in Absprache bis Sattledt möglich.

Zisterzienserstift Lilienfeld: Das 1202 vom Babenbergerherzog Leopold VI. gegründete Kloster ist heute noch eine aktives Ordenshaus mit 19 Pfarren. Ein Großteil des weitläufigen Besitzes geht noch auf die Gründungszeit zurück. Dazu gehört reicher Waldbestand, aber auch Bergbau auf Silber, Blei und Mangan. Durch die Lage an der wichtigsten Wallfahrtsroute vom niederösterreichischen Donauraum nach Mariazell spielte die Zisterze auch eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der Infrastruktur für Pilger. Bis heute besticht die Klosteranlage durch ihren reichen Baubestand von der Spätromanik bis zum Barock.

Wallfahrtskirche Annaberg: Der „Annaberg“ ist der erste Passanstieg, wenn man auf der Via Sacra von Wien oder St. Pölten nach Mariazell pilgert. An diesem Ort, der bis in das 18. Jahrhundert nur mit Saumpferden passiert werden konnte, befand sich im 13. Jahrhundert einerseits der Sitz eines Rittergeschlechts, aber auch seit 1217 ein Wirtschaftshof des Stifts Lilienfeld mit einer Annenkapelle. Die Verehrung der Heiligen Anna setzte wohl gleichzeitig mit dem Aufblühen der Wallfahrt nach Mariazell ein. Heute besteht noch die spätgotische Pfarrkirche mit dem Gnadenbild mit einem großen barocken Pfarrhof an ihrer Seite.

Mariazell: Wallfahrtsort, Basilika, Schatzkammer: Das Gebiet zwischen Aflenz und Mariazell gehört zum Gründungsgut des 1076 von den Grafen von Eppenstein gestifteten Benediktinerklosters St. Lambrecht. Während die Auffindung der Gnadenstatue des späteren Wallfahrtsortes durch einen Mönch Magnus im 12. Jahrhundert in das Reich der Legenden verweist, sind die frühen Interessen des Klosters vor allem an örtlichen Bergbauressourcen, vor allem an Salz (Halltal, Salza) und Eisen (Gollrad) schriftlich fassbar. Erst ab dem 14. Jahrhundert ist die Wallfahrt nach Mariazell konkreter fassbar. Sie entwickelt sich unter habsburgischer Förderung zu den wichtigsten Gnadenstätten Mitteleuropas. Heute prägt die 1644 bis 1683 unter Dominico Sciassia errichtete Barockkirche den Ort. Die in den Seitenemporen untergebrachte Schatzkammer gehört zu den bedeutendsten Sammlungen an Devotionalien in Europa.

Nach der Besichtigung Weiterfahrt zu unserem ***Hotel in der Innenstadt von Mariazell und Beziehen der Zimmer.


2. Tag, Samstag, 16. Oktober 2021

Wehrkirche Sigmundsberg: Die Wehrkirche Sigmundsberg liegt auf einem Inselberg im Tal zwischen Mariazell und Gusswerk. An ihr führte der historische Pilger- und Handelsweg aus dem Mur- und Mürztal nach Mariazell. 1443 wurde durch den Abt von St. Lambrecht Heinrich II. Moyker die Bauerlaubnis erteilt. Ein Befestigungsprivileg durch Kaiser Friedrich III. von 1464 kann auf die Errichtung der Wehrmauer bezogen werden. Sie steht im Zusammenhang mit der Sicherung der Handelsroute, aber auch mit den militärischen Wirren in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Montanmuseum Gusswerk: Seit dem 17. Jahrhundert bestand hier eine Eisengießerei, die zum Stift St. Lambrecht gehörte. Ab 1742 wurde diese zu einer der bedeutendsten Rüstungsbetriebe der Habsburgermonarchie mit der Spezialisierung auf Kanonenguss ausgebaut. Daneben war diese auch, wie im Museum ersichtlich, als Kunstgießerei von Bedeutung.

Burgruine Schachenstein: Schachenstein ist die jüngste Höhenburg der Steiermark: Sie wurde von Abt Johann II. Schachner von St. Lambrecht in Auftrag gegeben und spielte eine Rolle zur Sicherung des Handelsweges nach Mariazell sowie der örtlichen Eisenindustrie in Thörl. Durch geschickte Ausnutzung des Felsterrains entstand nach außen der Eindruck einer regelmäßigen Kastellburg, während im Burginneren die Raumaufteilung weitaus komplexer ist. Ihr guter Erhaltungszustand vermittelt einen schönen Eindruck in die Wehrkultur des ausgehenden Mittelalters.

Stift Göss: Das Benediktinerinnenstift Göss wurde 1004 von Adula, Frau des Grafen Aribo I., gegründet und entwickelte sich zur einzigen Reichsabtei im späteren Habsburgerreich. 1782 unter Josef II. aufgelöst, war es kurzzeitig Sitz des Bistums Leoben, bis hier 1860 die noch heute bestehende Brauerei angesiedelt wurde. Frei besichtigbar ist die ehemalige Stifts- und heutige Pfarrkirche hl. Maria und hl. Margaretha mit ihrer berühmten frühromanischen Krypta und weiteren bedeutenden mittelalterlichen Ausstattungselementen.

Nach der Besichtigung Weiterfahrt zu unserem ****Hotel in der Innenstadt von Leoben und Beziehen der Zimmer.


3. Tag, Sonntag, 17. Oktober 2021

Stadtrundgang Leoben: Die Stadt wurde 1261 durch König Przemysl Otokar II., Landesfürst der Herzogtümer Österreich und Steiermark, durch Verlegung einer älteren Siedlung gegründet. Typisch für Gründungsstädte des 13. Jahrhunderts ist der rechteckige Grundriss mit der Anlage von Sitzen und Klöstern in den Stadtecken. 1314 wird Leoben durch Herzog Friedrich den Schönen das Verlagsrecht für das Eisen von Eisenerz verliehen, woraus sich in weiterer Folge die wichtigste Einnahmequelle der Stadt entwickeln sollte. Vom historischem Reichtum zeugen reich fassadierte Bürgerhäuser und die Klosteranlage, auch die Stadtbefestigung ist zu weitgehend erhalten geblieben.

Vordernberg: Museumsführung Radwerk IV: Vordernberg gehörte gemeinsam mit Eisenerz (historisch Innernberg) zur Verwaltungseinheit „Erz“, wo unter landesfürstlicher Oberhoheit seit dem 13. Jahrhundert Eisen abgebaut und verhüttet wurde. Erst im 15./16. Jahrhundert erfolgte in mehreren Etappen (Marktgründung, Trennung der Reviere und Abtransportwege) die Trennung beider Gemeinden dies- und jenseits des Präbichl-Passes. Entlang des Rötzbaches entstanden im Laufe des Spätmittelalters 14 Radwerke, mit denen mittels Wasserkraft das Erz in sogenannten „Stucköfen“ verhüttet wurde. Das Roheisen wurde in Leoben an die Hammerwerke weiterverkauft. Unter Erzherzog Johann erfolgte im frühen 19. Jahrhundert ein Modernisierungsschub, der sich nachhaltig in der Etablierung metallverarbeitender Industrie im Murtal niederschlug (Werk Donawitz). Erst im 20. Jahrhundert erfolgte der Niedergang durch die Globalisierung der Eisengewinnung und –verarbeitung.

Eisenerz: Wehrkirche, kurzer Stadtrundgang: Die Frühgeschichte der Stadt Eisenerz ist mit jener von Vorderberg „vor dem Präbichl“ identisch. 1453 erhielt die Siedlung - zeitgleich mit Vordernberg - das Marktrecht verliehen, das Stadtrecht stammt erst aus dem Jahr 1948. Auch wenn der Ort landesfürstlicher Besitz war, waren die maßgeblichen Akteure vor Ort die „Radherren“, auf deren Reichtum sowohl die Bürgerhäuser im historischen Ortszentrum als auch die spätgotische Pfarrkirche St. Oswald verweisen. In den Jahrzehnten um 1500 zur Wehrkirche ausgebaut, spielte sie 1599 als Zufluchtsort der protestantischen Bürger im Kontext von gewalttätigen Konflikten in der Gegenreformation eine tragende Rolle. Heute ist Eisenerz durch die Abwanderung infolge des ökonomischen Bedeutungsverlusts der Eisengewinnung ein Paradebeispiel einer „shrinking city“ mit allen damit verbundenen sozialen, städtebaulichen und denkmalpflegerischen Herausforderungen.


4. Tag, Montag, 18. Oktober 2021

Losenstein: Der im oberösterreichischen Ennstal gelegene Marktort gehörte seit dem Spätmittelalter zu den sogenannten „Proviantorten“ der Eisenwurzen, die einerseits mit ihren Hammerwerken mittels Wasserkraft das Roheisen zu Handelsprodukten weiterverarbeiteten (siehe das Nagelschmiedmuseum in Losenstein), andererseits für die Versorgung der eisenverarbeitenden Betriebe mit Lebensmitteln und anderen Grundgütern eine Rolle spielten. Die Herren von Losenstein als Begründer der gleichnamigen Burg waren landesfürstliche Ministeriale und gehörten im 16. Jahrhundert zu den führenden Vertretern des protestantischen Landadels in Österreich. Die Burgruine zeigt noch bedeutende Baureste des 13. bis 15. Jahrhunderts.

Ternberg: Museum „Im Tal der Feitelmacher“Der Marktort Ternberg im oberösterreichischen Ennstal ist spätestens seit der frühen Neuzeit Sitz eines spezialisierten Messerergewerbes, der „Feitelmacher“. Seit 1680 waren diese in einer eigenen Innung organisiert. Zur Blütezeit arbeiteten 17 Betriebe an der Herstellung und Vertrieb dieser Klappmesser mit charakteristischem Holzgriff. Seit 1998 kann die Geschichte dieser hochspezialisierten Erzeugung im Museumsdort Trattenbach vermittelt.

Danach Rückfahrt über Steyr mit Pause nach Salzburg (Hallein).


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