Mittelalterliches Leben im Osten    

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Burgen - Städte - Bauernhäuser im österreichisch-ungarischen Grenzraum


PROGRAMM:*

1. Tag, Donnerstag, 14. Mai 2020

Anreise mit Pausen über Wiener Neustadt und Burg Forchtenstein nach Bad Tatzmannsdorf: Abfahrt - Einstiegsstellen: 06.45 Hallein Pernerinsel - Parkplatz beim Kreisverkehr/ 07.00 P + R Salzburg Süd/ 07.15 Stadion Klessheim/ weitere Einstiegsstellen auf der Strecke z.B. Raststation Mondsee, Parkplatz Shoppingcenter Haid… in Absprache möglich.

Wiener Neustadt wurde 1192/94 durch den Babenbergerherzog Leopold VI. an der damaligen Grenze der Herzogtümer Österreich und Steiermark sowie nahe der ungarischen Grenze gegründet. Für die Errichtung der rechteckigen Stadtbefestigung wurde nach historischer Überlieferung Teile des Lösegeldes aus der Gefangennahme des englischen Königs Richard Löwenherz verwendet. Bedeutende Teile der Stadtmauer sind noch erhalten. Auch die Stadtpfarrkirche, die ab dem 15. Jhdt. als Dom des kleinen Bistums diente, gehört zur Gründungsphase der Stadt. Auch wenn durch Erdbeben, Sanierungsarbeiten des 19. Jhdts. sowie durch Bombenschäden des 2. Weltkriegs stark überprägt, gehört der Liebfrauendom zu den bedeutenden Bauten der Spätromanik in Österreich. Der erste landesfürstliche Stadtsitz befand sich anstelle der späteren Propstei beim Dom. Erst unter dem letzten Babenbergerherzog Friedrich II., der Wiener Neustadt auch als zeitweilige Residenz nutzte, wurde die heutige Burg in der südöstlichen Ecke der Stadtbefestigung errichtet. Sie ist eine viertürmige Kastellburg, die unter Kaiser Friedrich III. als Residenzburg im 15. Jhdt. nochmals prächtig ausgebaut wurde. Zu den hervorragendsten Bauteilen zählen die Georgskapelle mit dem Grabmal für Kaiser Maximilian I. und der Wappenwand im Innenhof. Heute wird die Burg von der Militärakademie der Österreichischen Bundesheeres genutzt.

Burg Forchtenstein: Die Burg wurden um 1320/30 von den Herren von Mattersdorf anstelle einer älteren, höher gelegenen Befestigung errichtet. Zur Kernburg des 14. Jhdts. gehört vor allem der tropfenförmige Bergfried mit einer bemerkenswerten „Schatzkammer“. Nach dem Aussterben der Herren von Forchtenstein-Mattersdorf um 1450 gelangte Forchtenstein an die Habsburger, die die Herrschaft verpfändeten. 1622 gelangte diese an die Esterházy, die noch heute im Besitz der Burg sind. Unter ihnen erfolgte der Ausbau der Burg zur neuzeitlichen Festung.

Nach der Besichtigung weiterfahrt nach Bad Tatzmannsdorf, wo wir die Zimmer in unserem ***Hotel beziehen.


2. Tag, Freitag, 15. Mai 2020

Burg Lockenhaus: Entgegen anderer Darstellung war Lockenhaus kein Sitz der Templer, sondern Gründung ungarischer Adeliger, die die Burg „Leuca“ nannten. Von 1270 bis 1337 waren die Grafen von Güns/Güssing die Inhaber der Herrschaft, danach die Adelsfamilien Kanizay und Nádasdy. Von 1676 bis 1968 waren die Esterhazy Herren auf Lockenhaus, seither ist die Burg Privatbesitz. Die Kernburg mit polygonal gebrochenem Bering und Kapellenturm gehört in die erste Hälfte des 13. Jhdts. Als bauliche Besonderheit ist die fälschliche als unterirdische „Templerkapelle“ gedeutete Tankzisterne aus Quadermauerwerk zu bezeichnen. Hervorzuheben ist weiters die von Rippengewölben überspannte frühgotische Säulenhalle.

Burg Kirchschlag: Die Burg Kirchschlag wurde 1254 erstmals im Kontext einer Belagerung durch ungarische Truppen erwähnt. Ihre Lage am östlichen Abhang der Buckligen Welt und eine wichtigen Straße führten zu Besitzansprüchen von ungarischer Seite, die aber nicht durchgesetzt werden konnten. Wohl von den steirischen Herren von Wildon gegründet, dürfte sie noch im 13. Jhdt. an die niederösterreichischen Kuenringer und nach Besitztausch an die Herren von Pottendorf gelangt sein. Aus dem 13. Jahrhundert stammt der Bergfried vor der Hauptburg, während die heute erhaltene Hauptburg mit großem Palas an der Zugangsseite erst um/knapp nach 1319/20 errichtet wurde. Im 14. Jhdt. wurden Burg und Markt mit einer Befestigung verbunden. Am Weg vom Markt zur Burg wurde eine gotische Burgkapelle errichtet. Unter den Herren von Puchheim erfolgte im 16. Jhdt. die Errichtung des äußeren Berings mit kleinen Bastionstürmchen. Noch im 17. Jhdt. setzte nach Errichtung des „Hofhauses“ sowie der Zusammenlegung mit der Herrschaft Krumbach der Verfall ein.

Museumsdorf Krumbach: Das Freilichtmuseum wurde in den 1970er Jahren beim 1571 von Erasmus von Puchheim gestifteten Bürgerspital eingerichtet. Es zeigt neben der Regionalgeschichte anhand von vier Gebäuden die ländliche Baukultur der Buckligen Welt. Zum Wechselgebiet gehörend, haben sich hier noch Gebäude erhalten, die Eindruck in bäuerliche Lebenswelten vergangener Jahrhundert erlauben. Beispiel dafür ist der 2018 eröffnete „Tannbauer“, dessen Bausubstanz als Mittelflurhaus mit massivem Speicher und Blockstube bis in die Zeit um 1500 zurückreicht. Mittels moderner archäologischer und bauhistorischer Methoden konnte die Bau- und Nutzungsgeschichte über fünf Jahrhunderte rekonstruiert werden.

Burgruine Landsee: Die Burg, in den frühen Quellen „Landeshere“ oder ungarisch „Lánzsér“ genannt, wurde im 12. Jhdt. von steirischen Adeligen auf von ungarischer Seite beanspruchtem Land gegründet. Nach der Eroberung blieb die Burg ab 1222 in ungarischer Hand und war im 13. Jhdt. zunächst im Besitz des Gespans von Ödenburg, Lorenz Athinai, dann der Grafen von Güns/Güssing. 1612 kam die Herrschaft an die Esterhazy. Die riesige Anlage besetzt einen Höhenrücken, der von Westen nach Osten mit vier Befestigungsabschnitten gegliedert ist. Von der hochmittelalterlichen Burg haben sich keine Reste erhalten, im Ostteil der Kernburg gehören Mauerteile der Zeit um 1300 an. Ab dem 18. Jhdt. verfiel die Anlage, auch durch zwei Brände begünstigt. Große Ausbauten erfolgten im 15. Jhdt., wo an der westlichen Zugangsseite ein neuer Wohntrakt hinter einer massiven, halbrunden Schildmauer errichtet wurde. Bemerkenswert sind die auf Feuerwaffentechnik reagierenden massiven Kanonenwälle und Gräben im Vorfeld der Kernburg.


3. Tag, Samstag, 16. Mai 2020

Burg Bernstein war im späten 12. Jhdt. im Besitz eines ungarischen Adeligen, dürfte aber bald danach in die Hand österreichischer Adeliger gekommen sein, da sie 1236 von ungarischen Truppen erfolgreich belagert wird. Von 1260 bis 1336 im Besitz der Grafen von Güns/Güssing gelangt sie ab 1388 an die Kaniszay sowie ab 1487 an die Herren von Königsberg, die die Burg zum Festen Schloss ausbauen. 1644 wird die Herrschaft an die Batthyány verkauft, seit 1892 ist sie im Besitz der Familie Almásy. Die Kernanlage ist als Gipfelburg konzipiert und verfügt wie Lockenhaus über einen hochmittelalterlichen, polygonalen Bering mit Kapellenturm. Noch im Spätmittelalter erfolgten eine mehrfache Erhöhung der Ringmauern und Ausbauten der Wohntrakte. Neben der Barockisierung des 17. Jhdts. (Rittersaal mit Stuckdecken, neue Kapelle) ist vor allem der weitgehend erhaltende bastionäre Festungsgürtel hervorzuheben.

Burg und Stadt Köszeg/Güns (Ungarn) sind eine Gründung der Adelsfamilie Héder, die vermutlich aus dem österreichisch-steirischem Raum stammte und hier auf Einladung der ungarischen Könige herrschaftsbildend wirkte. Aus ihr entwickelte sich das Adelsgeschlecht der Herren von Güns/Güssing, die hier ihre Hauptresidenz hatten. 1327 wird Köszeg/Güns nach mehreren Adelsaufständen den Günsern entzogen und königlich-ungarischer Besitz. Stadt und Burg konnten in den Türkenkriegen nicht erobert werden. Von 1695 bis 1931 waren Stadt und Burg im Besitz der Esterhazy. Von der mittelalterlichen Stadtgeschichte zeugen heute neben mehreren Bürgerhäusern am inneren Hauptplatz die gute erhaltene Stadtmauer sowie die Stadtburg. Bedeutende Teile der Burg gehen auf die Baumaßnahmen unter den Grafen von Güns/Güssing zurück, so vor allem der prachtvolle Palas auf der Ostseite. Der große Saalbau an der Nordseite gehört zu den Ausbauten des späten 15. Jhdts. unter König Mathias Corvinus.

Burg Güssing ist eine weithin sichtbare Gipfelburg auf einem ehemaligen Vulkankegel. Mit ihrer urkundlichen Erstnennung 1157 gehört sie zu den ältesten Burgen im ehemaligen Westteil des Königreichs Ungarn. Wie Güns geht Güssing auf eine Gründung der Héder, der späteren Herren von Güns/Güssing, auf Einladung des ungarischen Königs zurück. Ab dem späten 12. Jhdt. in königlichem Besitz, wird sie an andere ungarische Geschlechter, wie die Czak und Pok, zeitweilig übertragen. Ab 1270 wieder in Günser Besitz, kommt sie ab 1327 wieder an den ungarischen König. Ab 1522 wird sie unter den Batthyány zur Grenzfestung gegen die Osmanen festungartig ausgebaut. Von der romanischen Erstburg und einem frühen Kloster auf dem Burgberg haben sich noch geringe Reste erhalten. Der Großteil der heute erhaltenen Bausubstanz stammt aus dem 15. bis 17. Jahrhundert.


4. Tag, Sonntag, 17. Mai 2020

Festenburg: Die Burg ist eine Gründung der Herren von Stubenberg, die beiderseits des Wechsel seit dem späten 12. Jhdt. über große Besitzungen verfügten. Über den zwischenzeitigen Besitz der Herren von Stadeck kam Festenburg im 14. Jhdt. an Hugo von Montfort und in weiterer Folge an die Herren von Saurau. 1616 erwarb das Stift Vorau die Burg und stellte diese während der Kuruzzenkriege um 1700 den Chorfrauen von Kirchberg am Wechsel als Schutzort zur Verfügung. Aus dieser Zeit stammt die sukzessive Umwandlung der Burg in eine Klosteranlage: Der Palas wurde zur Pfarrkirche, weitere sieben Kapellen dienen seither im Burginneren als Kreuzwegstationen mit barocker illusionistischer Ausstattung.

Seebenstein: Die Höhenburg hoch über dem Pittental wurde nach bauhistorischen Erkenntnissen im späten 12. Jhdt. gegründet, auch wenn die Erstnennung von Adeligen nach Seebenstein erst um die Mitte des 13. Jhdts. überliefert ist. Unter den Königsbergern erfolgt ab 1400 der Ausbau zur heutigen Größe, der die Vorburg mit dem prägnanten Bergfried mit einschließt. 1790 wurde die Burg von Anton David Steiger erworben, der hier den Verein der „Wildensteiner zur blauen Erde“ gründete und die Burg im Stil der frühen Ritterromantik umbauen und ausstatten ließ. Nachdem der Verein 1824 aufgelöst wurde, kaufte Fürst Johann I. von Liechtenstein die Burg und setzte den romantisierenden Ausbau fort. Auf ihn geht auch die künstliche Ruine am nahe gelegenen „Türkensturz“ zurück.

Danach Rückfahrt mit Pause nach Salzburg (Hallein).


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© Andreas Deusch 2019