Triest - Friaul - Karst

Miramare, Triest 10-13

Triest, die Hafenstadt im "Grenzgebiet der Kulturen" (Claudio Magris), ist ein höchst lebendiges Archiv europäischer Geschichte, im positiven wie im negativen Sinn. Kelten, Römer, Germanen, Hunnen, Slawen, Venezianer, Juden, Habsburger, Slowenen und Italiener haben diese Stadt geprägt und bis heute sichtbare Spuren hinterlassen. Triest ist eine Stadt zwischen Gestern und Morgen, zwischen dem großartigen Stadtkern und den wuchernden Industrieanlagen in der Peripherie. Triest ist nicht Italien und nicht Balkan, Triest ist die Drehscheibe zwischen den beiden Halbinseln im Mittelmeer. Nicht zuletzt gehörte Triest von 1382 bis 1918 zu Österreich, war dessen bedeutendster Handelshafen und einer der Kriegshäfen der Österreichischen Marine. 

Das Friaul ist eine geschichts- und kunstgesättigte Region zwischen Alpen und Meer. Die Landschaft ist geprägt von den Julischen und Karnischen Alpen, den breiten Tälern, tief eingeschnittenen Schluchten, der weiten Karnischen Ebene und natürlich von der Adria. Entsprechend den völlig unterschiedlichen Bedingungen ist hier die Natur sehr abwechslungsreich und üppig unter dem schon südlichen Licht. Eine landschaftliche Besonderheit im äußersten Südosten ist der Karst, eine karge Kalksteinformation mit eigener Flora und Fauna, durchzogen von unzähligen Verwerfungen, Schluchten und Höhlen. Ein Paradies für Wanderer und Eidechsen.

Die Geschichte der Region, die seit der Mittleren Steinzeit kontinuierlich besiedelt ist und immer wieder - bis hin zum Zweiten Weltkrieg - heftig umkämpft war, ist allgegenwärtig. Auch und gerade in den Bau- und Kunstwerken im Friaul. Zwei besondere Schwerpunkte sind die römische Gründung Aquileia und das langobardisch geprägte Cividale, die wir besuchen werden.


PROGRAMM:*

1. Tag, Samstag, 20. Oktober 2018

Anreise nach Triest: 06:00 Berchtesgaden Bahnhof, 06:25 Bad Reichenhall Bahnhof, 06:45 Nikolauskirche Freilassing, 07:00 Stadion Klessheim/ 07:15 P + R Salzburg Süd, 07:30 Hallein Pernerinsel - Großer Parkplatz beim Kreisverkehr, Weitere Einstiegsstellen auf der Strecke in Absprache möglich.

Fahrt mit Pausen von Salzburg über Palmanova, der ab 1593 erbauten, vollständig erhaltenen Spätrenaissance - Festungsstadt, nach Aquileia, der ehemals zweitgrößten Stadt der Römer. Aquileia (UNESCO Welterbe): Besichtigung des Doms und der einzigartigen Krypta mit ihren berühmten Mosaiken. Besichtigung des unglaublich reichen Nationalen Archäologischen Museums und Rundgang über den archäologischen Weg zum römischen Flusshafen.  
Weiterfahrt nach Triest wo wir die Zimmer in der Innenstadt und nicht weit vom Hafen gelegenen Hotel beziehen.


2. Tag, Sonntag, 21. Oktober 2018

Triest/ Stadt
: Triest ist eine Hafenstadt und hat seinen Reichtum durch den Hafen erlangt. Wir beginnen daher unseren Stadtrundgang am Hafen, der vor allem unter Maria Theresia ausgebaut wurde. Die Piazza de l'Unita Italiana mit ihren Palazzi aus dem 19. Jahrhundert öffnet sich direkt zum Hafen, von dort gelangt man durch die Altstadt und das ehemalige Ghetto zu den Ruinen des Römischen Theaters. Dann besteigen wir den Hügel des hl. Justus, dem ältesten Teil der Stadt, der schon lange vor den Römern besiedelt war. Als im 2. Jahrhundert v. Chr. die Römer von Aquileia aus Istrien eroberten, unterstützten die Bewohner von Tergeste deren Truppen. Unter Augustus wurden der Hafen und die Festung auf dem Hügel ausgebaut und mit einer Befestigungsmauer umgeben. Teile davon und von der Basilika sind erhalten. Daneben steht das Castello di San Giusto, dessen Vorgängerbauten bis 2000 v. Chr. zurückreichen, und der Dom von Triest, San Giusto, ein sowohl historisch als auch kunsthistorisch höchst interessanter Kompositbau, der viele Überraschungen bereithält. Wir werden dort auch das Museo Civico di Storia ed Arte besuchen, von dem aus man in den Orto Lapidario mit gut erhaltenen Architekturfragmenten der Vorgängerbauten gelangt. Dort ist auch der Kenotaph von Antonio Bosa, einem Schüler Canovas, zu sehen, der für den in Triest 1768 ermordeten Archäologen Johann Joachim Winkelmann errichtet worden war. Beim Heruntergehen kommt man zur Kirche Santa Maria Maggiore, einem imposanten Barockbau, der allerdings durch die gewaltige Treppenanlage, die Mussolini bauen ließ, ein wenig in seiner Wirkung geschmälert wurde. In der Nähe ist San Silvestro, eine romanische Kirche, deren Ursprünge bis ins 11. Jahrhundert zurückgehen, eine schlichte Pseudobasilika, die typisch für die obere Adria ist. 
Weiterhin werden wir den Spuren der Römer (Arco di Ricardo) sowie vor allem der Glanzzeit Triests, dem 19. Jahrhundert (Casa Panzera, Casa Pepeu) begegnen. Die Kaffeehäuser und Restaurants haben ebenfalls den (restaurierten) Charme des 19. Jahrhunderts.


3. Tag, Montag, 22. Oktober 2018

Triest/ Umgebung: Seilbahnfahrt hinauf zur Villa Opicina, mit großartigem Blick auf Triest, Besuch der Karsthöhle Skocjan (UNESCO Welterbe) in Slowenien. 
Von dort Fahrt über den Karst nach Lipica in Slowenien, dem Herkunftsort der berühmten Lipizzaner. Besichtigung des Gestüts mit den Ställen dieser majestätischen Pferde aus dem frühen 18. Jahrhundert.


4. Tag, Dienstag, 23. Oktober 2018

Triest/ Umgebung: Fahrt nach Norden zum Castello Miramare, das Erzherzog Ferdinand Maximilian Joseph von Habsburg, der Bruder des Kaisers Franz Joseph, nach den Plänen Carl Junkers von Anton Hauser 1858 erbauen ließ. Er weilte jedoch nur kurz dort, ehe er in Mexiko zum Kaiser ernannt wurde und kurz darauf ermordet wurde. Das im historisierenden Stil erbaute Schloss liegt auf einer kleinen Landspitze auf dem Karst, direkt über dem Meer. Schlicht eingerichtet, verfügt es über einen reizenden Garten und Park und ist seit Mitte der Fünfziger Jahre Museum.
Weiter nördlich liegt die außergewöhnlich gut erhaltene Schlossanlage von Duino. Wohl schon im 11. Jahrhundert auf römischen Mauerresten erbaut, haben es wechselnde Besitzer, darunter der Kaiser und die Thurn und Taxis, immer wieder erweitert und umgebaut. Die alte, relativ kleine Burg ist nur noch teilweise erhalten, das neue Schloss hingegen ist von riesigen Ausmaßen. Es ist nach 1340 erbaut, wurde allerdings von der italienischen Artillerie 1915 stark beschädigt und in den 20iger Jahren wieder aufgebaut. Die in Italien einzigartige, riesige Schildmauer und der Park machen Duino zu einem Muss. Auch deshalb, weil hier viele bedeutende Besitzer und ihre illustren Gäste Geschichte geschrieben haben. Liszt, Hofmannsthal oder Rilke, der hier seine Duineser Elegien begann, weilten hier, um nur einige zu nennen.


5. Tag, Mittwoch, 24. Oktober 2018

Cividale del Friuli: Wie alle Städte im Friaul hat auch Cividale eine blutige Geschichte von Eroberung und Zerstörung. Dennoch oder deshalb begegnet man hier auf Schritt und Tritt der Geschichte und ihren kunstvollen Hinterlassenschaften. Wir werden den Dom besichtigen, der im 15. Und 16. Jahrhundert auf langobardischen Vorgängerbauten errichtet wurde. Es ist der erste Renaissancebau im Friaul, er betont sehr puristisch die Struktur des Raumes, ohne eine dekorative Superstruktur. Danach werfen wir einen Blick von der Teufelsbrücke auf die weißen Kalkgumpen des Natisone und tauchen ein in das keltische Hypogäum (Katakomben), dessen Bedeutung umstritten ist. Nach der Mittagspause warten zwei absolute Highlights auf uns: der Tempietto Langobardo und das archäologische Nationalmuseum. 
Der Tempietto aus dem 8. Jahrhundert ist in architektonischer, kunsthistorischer und politischer Bedeutung herausragend und Gegenstand zahlloser Publikationen und Streitschriften. Das archäologische Nationalmuseum hat das reichste Fundgut zur Geschichte der Langobarden vorzuweisen. Der Reichtum, der Stilwille und die Kunstfertigkeit der Langobarden sind hier eindrucksvoll zu erleben. Wir sollten nicht vergessen, dass die Langobarden auch zur Gründergeneration der Bajuwaren, unserer Vorfahren, gehören. 

Rückfahrt mit Pausen über Udine nach Salzburg.


*Änderungen vorbehalten

© Andreas Deusch 2018