Regensburg Spezial                        

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Das römische Legionslager Castra Regina, das am Zusammenfluss von Donau und Regen erbaut germanischen Einfällen ins Römische Reich Paroli bieten sollte, ist die Keimzelle der mittelalterlichen Stadt Regensburg. Seine massiven Quadermauern trotzten nicht nur den „Barbaren“, sondern auch dem Zerfall des Römischen Reiches. Als feste Burg diente Castra Regina den frühen bayerischen Herzögen als Residenz. Neben der Gründung des Regensburger Bistums zeichneten häufige Herrscherbesuche die Stadt seit dem 8. Jahrhundert aus. Darüber hinaus begannen unerschrockene und geschäftstüchtige Einwohner früh Fernhandel mit Luxusgütern aus der gesamten damals bekannten Welt zu treiben. Regensburgs Bedeutung und Wohlstand schlugen sich bald in bedeutenden kirchlichen und weltlichen Bauaufträgen nieder. Durch Glück und günstige Umstände ist vieles dieser deutschlandweit herausragenden frühmittelalterlichen Kunstschätze erhalten geblieben. Auf dem Höhepunkt der städtischen Macht im 13. Jahrhundert beginnt der gotische Neubau des Domes. Durch seinen in Deutschland einzigartigen Bestand an mittelalterlichem Glas und seine einflussreiche Skulpturenausstattung gehört der Bau zu den wichtigsten Beispielen gotischer Kunst in Deutschland. Obwohl das wirtschaftliche Glück Regensburg zu Beginn der Neuzeit verließ, blieb es dennoch durch einen so gewichtigen Künstler wie Albrecht Altdorfer mit der Kunstentwicklung der Zeit verbunden. Als 1663 der kaiserliche Reichstag in Regensburg zu einer „immerwährenden“ Einrichtung wurde, kommen barocker Glanz (und Gloria) in die völlig verarmte Stadt. Vor allem das fürstliche Haus Thurn und Taxis aber auch die barocke Ausstattung des Domes, der in der dieser Zeit Kaiserwahlen und Krönungen erlebt, sorgen für künstlerische Highlights.

Dieses „Regensburg Spezial“ erschließt bekannte Sehenswürdigkeiten wie den Dom durch intensive Besichtigungen aus ungewöhnlichen Blickrichtungen. Darüber hinaus werden viele Höhepunkte der Regensburger Kunstgeschichte, die sonst nicht oder nur sehr schwer zugänglich sind, im UNESCO Welterbe besucht.


PROGRAMM:*

1. Tag, Donnerstag, 17. September 2020

Zugfahrt vom Salzburger Hauptbahnhof Abfahrt 09:15 über München Ankunft 11:06, Abfahrt 11:44 nach Regensburg, Ankunft um 13:15. Zustieg auf der Streck oder eigene Anreise möglich. Vom Bahnhof Regenburg gehen wir ca. 400 m zu unserem in der Innenstadt von Regensburg gelegenen ***Hotel und beziehen die Zimmer. Nach einer Mittagspause erschließen wir die Regensburger Stadtgeschichte mit einer Führung durch die Altstadt. Stationen des Rundganges sind die Portra Prätoria, die Steinerne Brücke, das Kleinhändlerviertel zwischen Kramgasse und Tändlergasse, Patrizierburgen, das Rathaus und der Dom. Neben der hohe (Kunst-)geschichte kommen Legenden und Geschichten rund um den Brückenbaumeister oder Barbara Blomberg, die Geliebte Kaiser Karls V., nicht zu kurz. Im Rahmen des Rundgangs besuchen wir die archaisch wirkende Erhardikapelle aus dem 10. Jahrhundert (Sonderzugang).


2. Tag, Freitag, 18. September 2020

Am westlichen Rand der Altstadt liegt die ehemalige irische Benediktinerklosterkirche St. Jakob (12. Jhdt.). Die nahezu unverändert erhalten gebliebene romanische Kirche ist vor allem wegen ihres reichen Figurenportals bekannt, das zu den wichtigsten Beispielen romanischer Kunst in Deutschland zählt. Neben der Kirche besichtigen wir den Kreuzgang (Sonderzugang), der, wie die restlichen ehemaligen Klostergebäude, heute zum Regensburger Priesterseminar gehört.

Bei unserem Besuch des Domes konzentrieren wir uns zum einen auf die bedeutsame mittelalterliche Ausstattung mit Glasfenstern und Skulptur, zum anderen ermöglicht eine Sondergenehmigung das Betreten des Chorbereiches. Dort studieren wir den barocken Silberaltar, den Augsburger Gold- und Silberschmiede in einer Bauzeit von rund 90 Jahren geschaffen haben. Vom Hochchor aus erhalten wir Zugang zum sog. Winterchor, einer Kapelle aus dem 15. Jahrhundert, die einen spektakulär modern präsentierten romanischen Kruzifixus beherbergt. Abschließend besuchen wir den kleinen, aber feinen Domschatz, der neben einigen hochkarätigen mittelalterlichen Stücken prachtvolle liturgische Gewänder zeigt. Nach sechs Jahren der Restaurierung wird 2020 der Doppelkreuzgang des Domes, der nur mit Führung zugänglich ist, wiedereröffnet. Kunsthistorisch bedeutsam sind seine beiden Kapellen aus dem 11. und 12. Jahrhundert und deren Ausstattung. Wenn möglich besuchen wir die Dombauhütte des Regensburger Doms. Dies ist nur mit kurzfristiger Vereinbarung möglich und kann derzeit noch nicht gewährleistet werden.


3. Tag, Samstag, 19. September 2020

Die mittelalterlichen Bauten der ehemalige Reichsabtei St. Emmeram sind ein kunsthistorisches Schwergewicht. Die Kirche wurde von einigen karolingischen Kaisern als Ort ihres Begräbnisses ausgezeichnet. Die Krypten der Kirche zählen zu den ältesten erhaltenen in Deutschland und datieren vom 8. bis zum 11. Jahrhundert. Das einzigartige Doppelportal, das die Kirche erschließt, ist das älteste erhaltene Figurenportal des Landes und war wegweisend für die weitere architektonische Entwicklung des Kirchenportals. Die imperialen Dimensionen des Westbaus (11. Jhdt.) sollten die politischen Ansprüche der Abtei bekräftigen und sind mit einer spektakulären Urkunden- und Reliquienfälschung verbunden. Der Kreuzgang, ein kunstdidaktisches Bilderbuch gotischer Architektur, gehört heute zum Besitz des Hauses Thurn und Taxis und ist über das fürstliche Schloss erreichbar. Die reichspolitische Bedeutung der Familie Thurn und Taxis ebenso wie ihr Beitrag zu fürstlich-barocker Kultur in Regensburg erkunden wir im benachbarten Thurn und Taxis Museum, einem Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums.


4. Tag, Sonntag, 20. September 2020

Mit dem Bus fahren wir morgens in den Regensburger Vorort Prüfening. Dort war 1109 ein Benediktinerkloster gegründet worden, dessen Kirchenbau (mit einigen barocken Überformungen) aus der Gründungszeit erhalten geblieben ist. Bedeutendster Kunstschatz sind die frisch restaurierten Fresken (12. Jhdt.) in der Ostpartie der Kirche. Darüber hinaus hat ein unbekannter Bildhauer, der von den neuen Entwicklungen der französischen Gotik geprägt war, dem Prüfeninger Abt Erminold ein beeindruckendes Grabmal gestaltet. Dem Schaffen dieses sog. Erminoldmeisters gehen wir nach unserer Rückkehr ins Stadtzentrum im Historischen Museum weiter auf die Spur. Im gleichen Museum lassen sich die bahnbrechende Arbeit des großen Regensburger Malers Albrecht Altdorfer und sein Beitrag zur Donauschule studieren.

Die Rückfahrt über München ist um 16:46 geplant; Ankunft in Salzburg 20:42.


*Änderungen vorbehalten


© Andreas Deusch 2020