Das Waldviertel und seine Burgen  

Rappottenstein

Das Waldviertel gilt, insbesondere Dank seiner vielen Burgen und Ruinen, welche in oftmals beherrschender Lage über den Hochflächen und Talniederungen thronen, als das „Burgenviertel“ Niederösterreichs. Der Eindruck des besonderen Burgenfülle dürfte zum einen im „Steinreichtum“ des Waldviertels begründet liegen: Nach Aufgabe so mancher Burg fiel diese nicht wie in anderen Regionen dem Steinraub zum Opfer; das billige Baumaterial war für die Bevölkerung zum Teil aus näher gelegenen Steinbrüchen und anderen Quellen zu beziehen. Darüber hinaus ist das Waldviertel in erster Linie durch Höhenburgen geprägt, welche in der Neuzeit entweder zu Wohnzwecken adaptiert oder zugunsten talnaher Herrschaftsanlagen aufgegeben wurden. Anhang ausgewählter Beispiele wird die Vielfalt adeliger Wehr- und Wohnkultur dieser Region anschaulich vermittelt. Zusätzlich werden herausragende Baudenkmäler des Mittelalters geistlicher Institutionen besichtigt.


PROGRAMM:*

1. Tag, Freitag, 17. Mai 2019

Anreise mit Pausen nach Zwettl: Abfahrt - Einstiegsstellen: 06.45 Hallein Pernerinsel - Parkplatz beim Kreisverkehr/ 07.00 P + R Salzburg Süd/ 07.15 Stadion Klessheim/ weitere Einstiegsstellen auf der Strecke z.B. Raststation Mondsee in Absprache möglich.

Burgruine Aggstein: Die durch die Raubrittersagen um die Kuenringer und das Rosengärtlein des Ritters „Schreckenwald“ berühmte Burgruine liegt in imposanter Lage auf einem hoch aufragenden Felsen über dem Donautal. Die gesicherte, gepflegte, durch Treppen und Leitern weitgehend erschlossene Anlage bietet einen guten Einblick in die Bau- und Wohnkultur des Hoch- und Spätmittelalters.

Burgruine Hinterhaus: Die Burg war ursprünglich Zentrum der Herrschaft Spitz und ab 1242 im Lehensbesitz der bayerischen Herzöge zur Sicherung und Verwaltung ihrer Besitzungen in der Wachau. Sie vermittelt einen guten Eindruck einer Burg des 13. Jahrhunderts mit zentralem Bergfried und regelmäßiger Ringmauer. In Reaktion auf die entwickelte Feuerwaffentechnik wurde im späten 15. Jahrhundert eine mit Rundtürmen gesicherte Außenbefestigung errichtet.

Propstei Zwettl: Im Areal der sogenannten „Propstei“ von Zwettl befand sich die älteste Stadtburg von Zwettl, die von den Kuenringern gegründet wurde. 1231 zerstört, wurde sich durch einen Pfarrhof und ab 1490 durch ein kleines Kollegiatsstift, die „Prostei“ Zwettl ersetzt. Bis heute blieb von der ehemaligen Wehranlage neben Wallresten vor allem die beeindruckende romanische Kirche erhalten, in deren Dachgeschoss sich ein sogennantes „profanes Obergeschoss“ als ehemaliger Speicherraum befindet. Auch vom Pfarrhof des 13. Jahrhunderts sind noch bedeutende Teile erhalten.


2. Tag, Samstag, 18. Mai 2019

Burgruine Lichtenfels: Die in weiten Teilen aus der Romanik stammende Burgruine Lichtenfels beeindruckt durch ihre malerische Lage auf einer Halbinsel im Ottensteiner Stausee. Ursprünglich sicherte sich einen Übergang durch das Kamptal. Sie gehörte ursprünglich zu den Besitzungen der Herren von Ottenstein, im 17. und 18. Jahrhundert zur Großherrschaft der Grafen Lamberg.

Burgschloss Ottenstein: Burg und Herrschaft Ottenstein bildeten seit der Mitte des 12. Jahrhunderts das örtliche Zentrum der aus dem südlichen Niederösterreich stammenden Herren von Rauheneck. Aus dieser Zeit blieb neben Teilen der Außenmauern und des Bergfrieds vor allem die Burgkapelle mit ihren romanischen Wandmalereien erhalten. Wie Lichtenstein und Rastenberg gehörte auch Ottenstein im 17. und 18. Jahrhundert zur Großherrschaft der Grafen von Lamberg, die hier ihren Hauptwohnsitz hatten. Zu den bedeutendsten Ausstattungselementen dieser Zeit die Schlosskapelle und das sogenannte „Päpstezimmer“.

Stift Altenburg: Das 1144 gegründete Benediktinerstift gehört zu den vergleichsweise kleineren Klöstern in Niederösterreich. Nebst seiner bedeutenden Barockausstattung ist das Kloster vor allem für seine mittelalterliche Vorgängeranlage bekannt, die durch spätere Aufschüttungen unter der barocken Anlage erhalten geblieben ist. Archäologische Ausgrabungen und die museale Adaptierung ermöglichen einen einmaligen Einblick in mittelalterliche mönchische Lebenswelten.

Burgschloss Rosenburg: Die im Kern romanische Burg wurde im 16. Jahrhundert zu einem prächtigen Renaissance-Schloss ausgebaut. Insbesondere der Turnierhof gehört zu den besterhaltenen Beispielen seiner Art und dient heute als Kulisse für Aufführungen und die Greifvogelschau.

Burgruine Gars: Burg Gars gehört zu den größten Burgen Niederösterreich. Ihre Geschichte reicht bis in das 11. Jahrhundert zurück, als die Babenberger-Markgrafen hier einen Stützpunkt für den Landesausbau im nördlichen Niederösterreich errichteten. Neben bedeutenden romanischen Bauteilen lässt sich hier vor allem auch der Ausbau in der Gotik und Renaissance sehr gut nachvollziehen. Heute dient der Burghof als Kulisse für die örtlichen Opernfestspiele.


3. Tag, Sonntag, 19. Mai 2019

Burg Rappottenstein: Burg Rappottenstein zählt zu den besterhaltenen Höhenburgen des Landes und beeindruckt durch sein geschlossenes Bauensemble mit Bauteilen vom 12. bis in das 16. Jahrhundert. Besonders sehenswert sind der mit Wandmalereien ausgeschmückte „Rittersaal“ und der enge Arkadenhof, beides Bauteile mit Mischelementen der Spätgotik und Renaissance.

Schloss Roggendorf: Das im Marktzentrum von Pöggstall liegende Burgschloss wurde im Vorfeld der NÖ Landesausstellung 2017 grundlegend saniert und dabei auch bauhistorisch und archäologisch erforscht. Aus einem kleinen Wehrbau des 13. Jahrhunderts entstand an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert ein prachtvoller Schlossbau, von dem vor allem die große Schlosskapelle – die heutige Pfarrkirche – sowie die riesige Barkane – das sogenannte „Rondell“ von überregionaler Bedeutung sind. Um 1800 erfuhr die Anlage unter den Habsburgern eine frühe historistische Umgestaltung.

Burgruine Streitwiesen: Streitwiesen ist ein herausragendes Beispiel des frühen Burgenbaus im Waldviertel: Vom Wehrbau des frühen 12. Jahrhunderts sind der Wohnturm und die Burgkapelle erhalten geblieben. Ähnlich wie Pöggstall erfuhr auch Streitwiesen unter den Roggendorfern den Ausbau zu einem wohnlichen Schloss.

Danach Rückfahrt über Melk nach Salzburg.



© Andreas Deusch 2018